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Tag des Kusses

Küssen und Gesundheit: Wann Ärzte zum Kussverbot raten sollten

|von dpa

Ein zehnsekündiger Kuss tauscht rund 80 Millionen Bakterien aus, senkt Cortisol und setzt Dopamin frei. Doch bei Lippenherpes, Pfeifferschem Drüsenfieber oder akuten Infekten wird der Kuss zum Übertragungsweg – mit teils dramatischen Folgen für Neugeborene. Worauf Ärztinnen und Ärzte ihre Patienten hinweisen sollten.

Paar beugt sich einander zu, um sich zu küssen
Küssen ist gesund – doch bei Herpes oder Pfeifferschem Drüsenfieber sollten Patientinnen und Patienten auf Küsse verzichten(© F8 /Suport Ukraine/stock.adobe.com)

Ein inniger Kuss mit einem Menschen, den wir toll finden: Da wird jeder Kummer kurz auf Pause gesetzt. Dass Knutschen guttut, ist mehr als nur eine gefühlte Wahrheit. «Studien zeigen, dass Menschen, die gerne und oft küssen, länger und glücklicher leben», sagt Susanne Schuler-Lüttmann, Chefärztin des Instituts für Hygiene- und Labormedizin am Helios Klinikum Krefeld.

Eine Rolle spielen dabei die Hormone: «Bei emotionalen, intensiven Küssen kommt es zu einem Hormoncocktail, der kurzfristig Glücksgefühle auslöst», so die Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie. Dopamin, Oxytocin, Serotonin und Endorphine – sie alle sind Teil dieses Hormon-Feuerwerks. Der Pegel des Stresshormons Cortisol hingegen sinkt.

Hormoncocktail und Immuntraining: Warum Küssen der Gesundheit nutzt

Hinzu kommt, dass feuchtfröhliche Küsse ein willkommenes Training für unser Immunsystem sind. Denn beim Knutschen wird es mit unbekannten Bakterien konfrontiert. «In der Mundhöhle des Kusspartners herrscht schließlich ein anderes Mikrobiom als in der eigenen», sagt Schuler-Lüttmann. Mit der Zeit gleicht sich die Bakterien-Zusammensetzung in den Mundhöhlen von Beziehungspartnern sogar mehr und mehr an.

Eine Studie aus den Niederlanden aus dem Jahr 2014 zeigt: Während eines zehn Sekunden langen Kusses tauscht man etwa 80 Millionen Bakterien mit seinem Gegenüber aus. Ekel ist aber fehl am Platz, denn die allermeisten von ihnen sind harmlos.

Infektionsrisiken beim Küssen: Erkältung, Scharlach, Magen-Darm-Infekt

In manchen Fällen sind aber doch krank machende Bakterien – oder Viren – mit im Spiel. So kann man sich Erkältungen oder Magen-Darm-Infekte einfangen, wenn man beim Küssen infektiöse Aerosole einatmet. Manch einem mag das Prinzip noch aus der Corona-Hochphase bekannt sein.

Auch bakterielle Infektionen wie Scharlach oder Keuchhusten können beim Küssen übertragen werden. Hier ist vor allem der Austausch von Speichel entscheidend. Gibt es winzig kleine Verletzungen in der Mundschleimhaut, können die Krankheitserreger eindringen – und Startpunkt für eine Erkrankung sein, so Schuler-Lüttmann.

Lippenherpes und Pfeiffersches Drüsenfieber: Wann Kussverbot gilt

  • Lippenherpes

Hat man selbst Herpesbläschen, gilt das schnell auch für den Kusspartner oder die Kusspartnerin. «Denn die Keimlast der Bläschen ist extrem hoch», warnt Susanne Schuler-Lüttmann.

Selbst antivirale Cremes und Lippenpatches auf den Bläschen schützen den anderen nicht vor Ansteckung. Da hilft nur: Wer Herpesbläschen hat, sollte andere lieber nicht küssen – sicherheitshalber auch nicht auf andere Körperbereiche als die Lippen.

Auch Oralsex sollte man sich dann lieber verkneifen. Dabei können nämlich Viren auf den Genitalbereich von Partner oder Partnerin übertragen werden. Die Folge kann Genitalherpes sein, so das Portal «gesundheitsinformation.de».

Übrigens: «Ansteckend ist man so lange, bis die gelben Krusten nach einer Herpesinfektion abgefallen sind», sagt Schuler-Lüttmann.

Insbesondere Eltern von Babys sollten das «Kussverbot» beherzigen. «Für Babys ist es extrem gefährlich, wenn man sie mit Herpes küsst, weil ihr Immunsystem das Virus noch nicht kennt. Da kann es sogar zu schweren Hirnhautinfektionen kommen.»

  • Pfeiffersches Drüsenfieber

Zur Familie der Herpesviren gehört auch das Epstein-Barr-Virus (EBV), das Pfeiffersches Drüsenfieber auslösen kann. Weil es vor allem über Speichel übertragen wird, wird es auch als «Kusskrankheit» bezeichnet. Jugendliche und junge Erwachsene sind besonders häufig betroffen, «Symptome sind Fieber, Halsschmerzen, geschwollene Lymphknoten», zählt Schuler-Lüttmann auf.

Generell gilt: Es ist eine gute Idee, aufs Küssen zu verzichten, wenn man akute Krankheitssymptome hat. Ansonsten sorgt man sich aber besser nicht zu viel. «Küssen ist gesund – und solange man sich gut fühlt und keine akute Erkrankung hat, dürften die positiven Effekte deutlich größer sein.»


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