Startseite Alle Beiträge Innere Medizin Corona-Impfung: STIKO empfiehlt jährlichen Booster erst ab 75 Jahren
Corona-Impfsaison startet schon im Spätsommer

Corona-Impfung: STIKO empfiehlt jährlichen Booster erst ab 75 Jahren

|von dpa

Die STIKO hat ihre Corona-Impfempfehlung grundlegend überarbeitet: Gesunde Erwachsene unter 75 Jahren brauchen künftig keinen jährlichen Booster mehr. Doch das ist nicht die einzige Neuerung: Die Risikogruppen, denen eine Impfung empfohlen wird, bleiben zwar weitgehend unverändert – neu ist jedoch der Zeitpunkt. Die STIKO rät, bereits im Spätsommer mit dem Impfen zu beginnen, um den optimalen Schutz zu Beginn der Coronawelle zu gewährleisten. Sie können also bald starten und Ihre Patienten gezielt ansprechen, um die Impfsaison einzuläuten.

Ein Arzt füllt einen Impfpass in einer kommunal organisierten Impfstelle aus.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die jährliche COVID-19-Impfung künftig erst ab 75 Jahren. (© Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa)

Gesunde ältere Menschen sollen sich ab 75 Jahren immer im Spätsommer oder Frühherbst eine Corona-Impfung abholen. Bisher hatte die Ständige Impfkommission (STIKO) allen gesunden Menschen ab 60 Jahren in Deutschland zu dieser Auffrischimpfung geraten.

Seit dem Ende der Pandemie gingen die Fallzahlen kontinuierlich zurück, schreibt die STIKO in ihrer Begründung. Komme jemand wegen einer COVID-19-Erkrankung ins Krankenhaus oder sterbe sogar daran, handele es sich nun zumeist um über 75-Jährige (COVID: Coronavirus Disease).

Wer soll eine Booster-Impfung erhalten? Wer Nicht?

Die Booster-Empfehlung gilt neben den ab 75-Jährigen auch für Bewohnende von Pflegeeinrichtungen. Ebenso sollten Sie Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen wie Diabetes, chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Fettleibigkeit eine Auffrischung anbieten, und das betreffe auch zahlreiche Menschen unter 75, betonte die STIKO.

Für gesunde Säuglinge, Kinder und Jugendliche empfehlen Sie als Arzt gemäß STIKO schon länger keine Impfung mehr. Schwangeren wird derzeit in der Regel keine weitere Auffrischimpfung empfohlen – es sei denn, sie haben eine Grunderkrankung oder bei ihnen tritt während der Schwangerschaft eine Komplikation auf wie etwa Diabetes oder Bluthochdruck.

Auch Menschen, die in medizinischen Einrichtungen arbeiten, sollen sich unter gewissen Umständen weiter boostern lassen, etwa wenn sie in Notaufnahmen und auf Intensivstationen arbeiten. Gleiches gilt für Personal in Pflegeeinrichtungen.

Impfzeitpunkt verschiebt sich in den Spätsommer

In den aktuellen Empfehlungen der STIKO hat sich auch der Zeitpunkt für die Impfung leicht verschoben: War bisher von Herbst die Rede, gilt nun der Spätsommer oder Frühherbst als der ideale Zeitpunkt. Denn dann beginne jedes Jahr die Corona-Welle, und die Wirksamkeit der Impfstoffe lasse mit der Zeit stark nach.

Basisimmunität: Über 95% der Erwachsenen ausreichend geschützt

Mit den Neuerungen erklärt die STIKO auch, dass es keine «Empfehlungen zur Erlangung einer Basisimmunität» mehr gebe. Schließlich seien die meisten erwachsenen Menschen durch Impfungen und Infektionen mittlerweile immun. Studien zufolge verfügten mehr als 95% der Erwachsenen in Deutschland über solch eine gute Immunität.

Wie viele Menschen in den vergangenen Jahren wegen COVID-19 ins Krankenhaus mussten, legt die STIKO in ihrer wissenschaftlichen Begründung ebenfalls dar: Die Zahlen halbierten sich in den vergangenen Jahren von Saison zu Saison nahezu. 2025/2026 wurden noch rund 50.000 Menschen deswegen in Krankenhäusern behandelt; die Sterbefälle gingen von etwa 4.300 in der Saison 2023/2024 über etwa 2.000 in der Saison 2024/2025 auf zuletzt etwa 900 zurück.

Impfquoten bleiben hinter Empfehlungen zurück

Erklärtes Hauptziel der neuen Impfempfehlungen ist es, schwere COVID-19-Verläufe, also Krankenhauseinweisungen und Todesfälle, sowie Langzeitfolgen wie Long Covid zu verhindern.

Die STIKO räumt ein, mit ihren Empfehlungen aber nicht mehr so richtig durchzudringen: Der bisherige Rat an alle über 60, sich eine Auffrischimpfung zu holen, wurde von weniger als einem Viertel der Bevölkerung befolgt. In der Saison 2024/2025 (neueste Zahl) waren es sogar nur noch 13%.


Mehr zum Thema