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Wiesn ohne Virusfrust

Die Kampagne «München impft» sagt der Wiesn-Grippe den Kampf an

Enge Bierzelte, internationales Publikum, Schlafmangel und Alkohol: Auf dem Oktoberfest treffen ideale Bedingungen für Atemwegsinfekte aufeinander. SARS-CoV-2 dominiert die schweren Atemwegsinfekte in den vollen Festzelten, wo sechs Millionen Besucher aus aller Welt auf engstem Raum feiern – ideale Bedingungen für Tröpfcheninfektionen. Influenza und RSV spielen zur Wiesn-Zeit noch eine untergeordnete Rolle, nehmen aber ab Ende November zu. Für Risikopatienten ab 60 bzw. 75 Jahren empfiehlt die STIKO jetzt gezielte Impfungen gegen Covid-19, Influenza und RSV – bevor die Grippesaison ihren Höhepunkt im Januar erreicht.

Unscharfe Aufnahme einer großen Menschenmenge in einem dicht besuchten Festzelt auf dem Oktoberfest. Im Bildzentrum sind mehrere Personen scharf erkennbar, während die Umgebung durch einen Zoom- bzw. Bewegungsunschärfe-Effekt verwischt dargestellt ist.
Atemwegsinfekte breiten sich in vollen Bierzelten des Oktoberfests besonders leicht aus – Impfungen gegen Influenza und Covid-19 senken das Risiko. (© Sven Hoppe/dpa/dpa-tmn)

Wer im Bierzelt feiern will, kann das Ansteckungsrisiko durch Impfungen reduzieren. Insbesondere eine Immunisierung gegen Covid-19 und Influenza kann sinnvoll sein, empfiehlt Prof. Christoph Spinner, Leiter der Infektiologie am Klinikum Rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM). Der Herbst ist nicht nur Volksfest-, sondern auch Impfsaison.

Impfquoten bleiben deutlich hinter Empfehlungen zurück

Im September starten das LMU Klinikum und das TUM Klinikum in Kooperation mit dem Münchner Gesundheitsreferat die Kampagne «München impft», um das Bewusstsein für Atemwegsinfektionen und die Impfmöglichkeiten zu steigern. Nicht einmal jeder Dritte, dem eine Impfung empfohlen wird, ist gegen Influenza geimpft – und hat damit ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf, so Spinner, der sich selbst gegen Influenza und Covid-19 immunisieren lässt. «Ich liebe die Wiesn und ich schütze mich und meine Patientinnen und Patienten durch eine Impfung.»

Allerdings sind auf dem Oktoberfest allerlei Erkältungsviren unterwegs, gegen die es keinen Impfschutz gibt: Rhino-, Adeno- und Enteroviren oder schon länger bekannte, saisonale Coronaviren. «Die sogenannte Wiesn-Grippe ist in den allermeisten Fällen keine Influenza. Das ist einfach ein Sammelbegriff für akute Atemwegsinfekte, die durch das Zusammentreffen vieler Menschen, Schlafmangel, Kälte und Alkoholkonsum begünstigt werden.»

SARS-CoV-2 dominiert die schweren Verläufe im Bierzelt

Bei den ernsteren Atemwegsinfekten während der Wiesn mache SARS-CoV-2, das Severe Acute Respiratory Syndrome CcoronaVirus type 2, in der Regel den größten Teil aus. Anders als die Grippe sei das Covid-19-Virus nicht an die kalte Jahreszeit gebunden und zirkuliere ganzjährig (Covid: Coronavirus Disease). «Da in Festzelten sehr viele Menschen auf engstem Raum zusammenkommen, ist das Infektionsrisiko für Covid-19 auf der Wiesn hoch.» Jenseits des Volksfestes empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Corona-Impfung für Menschen ab 75 Jahren, Personen mit Risikofaktoren sowie Pflegepersonal – ein Aspekt, der auch in der hausärztlichen Impfberatung relevant ist.

Grippesaison: Frühzeitig auf Risikopatienten zugehen

Influenza und das respiratorische Synzytialvirus (RSV) sind laut Spinner nur für einen sehr geringen Anteil der Wiesn-Erkrankungen verantwortlich. Sie nähmen meist erst ab Ende November zu und erreichten die Spitze im Januar.

«Durch das internationale Publikum und die vielen Menschen auf engem Raum in den Festzelten treten aber auch zu dieser Zeit vereinzelt Grippefälle auf», sagt Spinner über die Influenza-Gefahr auf der Wiesn. «Generell ist der Beginn des Herbsts der ideale Zeitpunkt, um sich für die bevorstehende Grippesaison ab Oktober impfen zu lassen – vor allem für Menschen mit Risikofaktoren wie Herz-Kreislauf-, Lungen- oder Krebserkrankungen.»

RSV-Impflücke bei Älteren gezielt schließen

Für die Wiesn sei keine akute Welle des hochansteckenden RSV-Virus zu erwarten, sagt Spinner. Wer sich impfen lassen wolle, solle das dennoch rechtzeitig angehen. «Derzeit sind nur etwa 20% aller Menschen, denen die Impfung empfohlen wird, gegen RSV geimpft – daher ist jetzt ein guter Zeitpunkt, die Impfung nachzuholen.» Das RSV-Virus kann vor allem für Säuglinge und ältere Menschen gefährlich werden. Die STIKO-Impfempfehlung gilt für Erwachsene ab 75 Jahren und Menschen mit schweren Grunderkrankungen ab 60 Jahren.

Kardiovaskuläre Folgen von Atemwegsinfekten mitdenken

Weil Atemwegsinfektionen grundsätzlich das Immunsystem aktivieren und zur massenhaften Ausschüttung von Entzündungsstoffen im Körper führen, können sie zu einer Verengung der Blutgefäße beitragen und so das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen, so Spinner. Ein Argument, das in der Aufklärung insbesondere multimorbider Patienten schwerer wiegen dürfte als der reine Infektschutz.

📌 Keine Chance für die Wiesn-Grippe!

Bei einer von einem Impfstoffhersteller mitinitiierten Aktion «O’zapft is – aber bitte Grippe-geimpft!» am 8. und 9. September werden in der Marien Apotheke am Sendlinger Tor Influenza-Impfungen für Erwachsene ab 18 Jahren angeboten. An der Aktion ist auch Spinner beteiligt.

Das Oktoberfest beginnt heuer am 19. September. Dann werden wieder 6 Millionen Besucher aus aller Welt erwartet – mindestens. Der Besucherrekord aus dem Jahr 2023 liegt bei 7,2 Millionen. Dass es in 216 Jahren seit dem Bestehen erst das 191. Oktoberfest ist, liegt zum Teil auch an Krankheitserregern: Rund 2 Dutzend Mal fiel das Volksfest aus – Gründe waren Kriege, Krankheiten und Inflation. 2021 und 2022 machte die Corona-Pandemie der Stadt einen Strich durch die Rechnung. Aber auch im 19. Jahrhundert scheiterte das Volksfest 2-mal an einer Seuche – damals tobte die Cholera.


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