Prävention, Präzisionsmedizin und Künstliche Intelligenz: Auf der Viszeralmedizin 2026 diskutieren Fachleute, wie Krebs früher verhindert, Leber- und Stoffwechselerkrankungen rechtzeitig erkannt und Therapien individueller gesteuert werden. Auch Endoskopie-Innovationen und Robotik prägen den größten deutschsprachigen Fachkongress.
Prävention und KI in der Gastroenterologie: Viszeralmedizin 2026 setzt neue Maßstäbe
Prävention als neuer Leitgedanke der Verdauungsmedizin
Wie gute Prävention funktioniert, zeigt die Gastroenterologie seit Jahren am Beispiel der Darmkrebsvorsorge. Der Ansatz, Krankheiten mit immer genauerer Diagnostik immer früher zu detektieren und einer geeigneten Therapie zuzuführen, setzt sich nun zunehmend in weiteren Bereichen der Krebsmedizin durch.
„Die Onkologie verschiebt sich durch neue Techniken und durch interdisziplinäre Zusammenarbeit immer mehr weg von der Tumorbehandlung in fortgeschrittenen Stadien hin dazu, ihre Entstehung möglichst zu verhindern oder bereits in einem so frühen Stadium zu erkennen, dass wir tatsächlich noch eine Heilung erreichen können statt nur die Auswirkungen therapeutisch einzudämmen.“
– Professorin Dr. med. Elke Roeb, Leiterin der Gastroenterologie, Universitätsklinikum Gießen, und Kongresspräsidentin der Viszeralmedizin 2026
In der Gastroenterologie rücken dabei neben dem Erfolgsbeispiel der Darmkrebsvorsorge immer mehr auch Leber- und Stoffwechselerkrankungen, Adipositas und die damit assoziierten Krebserkrankungen in den Fokus. Bei der metabolisch bedingten Fettlebererkrankung fordert die Leberexpertin Roeb einen grundlegenden Perspektivwechsel: „Die Fettleber betrifft nicht nur Menschen, die sich schlecht ernähren und wenig Sport treiben. Und genau hier müssen wir noch intensiver erforschen, wie wir die Entstehung einer Fettleber verhindern können.“
Präzisionsmedizin: Passgenaue Therapie statt Gießkannenprinzip
Ein weiterer Schwerpunkt des Kongresses ist die Frage, wie Patienten schneller von aktuellen Forschungsergebnissen profitieren können. Neue biologische Merkmale, sogenannte Biomarker, sowie Erbgut- und weitere molekulare Analysen sollen helfen, besser vorherzusagen, welche Patienten von einer bestimmten Behandlung profitieren.
„Diese sogenannte Präzisionsmedizin analysiert die Krankheitsprozesse bis ins kleinste Detail und hilft uns, genau an der richtigen Stelle mit einer passenden Therapie gezielt einzugreifen“, sagt Roeb. Die Präzisionsmedizin werde über die Krebsmedizin hinaus in den nächsten Jahrzehnten immer größere Bedeutung erlangen, so die Expertin. Auch bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen werde immer wichtiger, welches Medikament zu welchem Zeitpunkt und in welcher Reihenfolge eingesetzt werden sollte.
KI in der Endoskopie: Digitale Assistenz als zweites Paar Augen
Ähnlich großen Einfluss auf die gastroenterologische Versorgung hat derzeit die Künstliche Intelligenz.
„In der Erkennung auffälliger Gewebeveränderungen und von Polypen oder Befund-Auswertung kann KI Ärztinnen und Ärzte heute schon sehr verlässlich unterstützen.“
– PD Dr. med. Axel Eickhoff, Leiter der Gastroenterologie, Klinikum Hanau
Ersetzen werde die KI Ärztinnen und Ärzte aber nicht. „Sie kann uns vielmehr als ‚zweites Paar Augen‘ dienen“, so der Vorsitzende der Sektion Endoskopie der DGVS.
Eickhoff erwartet vor allem eine breitere Verbesserung der Untersuchungsqualität. „Mithilfe von KI können wir gewissermaßen eine ‚Demokratisierung der Qualität‘ erreichen, wenn digitale Assistenzsysteme dazu beitragen, die Behandlungsqualität, die wir heute vor allem in spezialisierten Zentren bieten können, etwas weiter in die Breite der Versorgung bringen“, ist der Endoskopieexperte überzeugt.
Erstmals Frau an der Kongressspitze
Die Viszeralmedizin zeigt damit eine Verdauungsmedizin, die Erkrankungen verhindern, früher erkennen, genauer verstehen und individueller behandeln will. Neben Präzisionsmedizin und Künstlicher Intelligenz bilden neue endoskopische Verfahren und Robotik weitere Schwerpunkte. Zugleich rückt das Zusammenspiel verschiedener Organe stärker in den Blick. Eine weitere Besonderheit: Erstmals steht der Viszeralmedizin mit Professorin Dr. med. Elke Roeb eine Frau als DGVS-Kongresspräsidentin vor. Sie gestaltet gemeinsam mit PD Dr. med. Axel Eickhoff und dem Viszeralchirurgen Professor Dr. med. Tobias Keck das Programm der Viszeralmedizin 2026.
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