Regelmäßige Laboruntersuchungen gelten als fester Bestandteil der Methotrexat-Therapie. Die Empfehlung, Leberwerte und Blutbild mindestens alle drei Monate zu kontrollieren, stützt sich allerdings auf überraschend wenig Evidenz. Doch bei stabil eingestellten Patienten könnten halbjährliche Kontrollen ebenso sicher sein: Transaminasenanstiege, Zytopenien und Fibrosezeichen werden ebenso zuverlässig aufgedeckt wie bei einem vierteljährlichen Monitoring. Für ALT-Erhöhungen und makrozytäre Veränderungen schien das längere Intervall sogar mit einem geringeren Risiko assoziiert. Besteht also Spielraum für eine Anpassung der Leitlnien-Empfehlungen?
MTX-Monitoring: Halbjährliche Laborkontrollen genauso sicher wie vierteljährliche
Jetzt kostenlos registrieren bzw. einloggen und den gesamten Artikel freischalten.
Ursprünglich als Folsäureantagonist in der Krebstherapie entwickelt ist Methotrexat (MTX) seit 1988 ein bewährtes Mittel gegen rheumatoide Arthritis (RA) und andere entzündliche rheumatologisch Erkrankungen wie dem systemischen Lupus erythematodes oder der Psoriasisarthritis und Dermatomyositis. Da Methotrexat aber Leber und Blutbild schädigen sowie den Magen-Darm-Trakt belasten kann, schreiben die Leitlinien von ACR (American College of Rheumatology) und BSR (British Society for Rheumatology) regelmäßige Laborkontrollen vor: nach der Einleitungsphase alle 8 bis 12 Wochen, im weiteren Verlauf mindestens alle 12 Wochen. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und klinische Immunologie (DGRh) empfiehlt in ihrer praxisorientierten Information für den behandelnden Arzt sogar noch kürzere Abstände.
Basis der ACR/BSR-Empfehlungen sind allerdings 2 kleine prospektive Arbeiten aus den 1990er-Jahren mit lediglich 18 bzw. 45 Patienten. Dass dies nach heutigen Kriterien nicht als belastbare Evidenz zählen kann, mag wohl keiner bestreiten.
Retrospektive Kohortenanalyse aus Texas
Ein US-amerikanisches Team wertete jetzt retrospektiv 14.199 Laboruntersuchungen von 2.439 erwachsenen Rheumapatienten unter MTX-Therapie aus, die zwischen Januar 2017 und Dezember 2025 an 4 rheumatologischen Ambulanzen erfolgten. Sie prüften einen pragmatisch gewählten Ansatz: Denn die Einschränkungen der COVID-19-Pandemie hatten eine Verlängerung der Kontrollintervalle erzwungen – und damit gewissermaßen ein natürliches Experiment geschaffen (COVID-19: Corona Virus Disease 19).
Eingeschlossen wurden nur Kontrollen von Patienten, die Methotrexat bereits länger als 90 Tage einnahmen. Das mediane Alter der Studienpatienten lag bei 59 Jahren, 79% waren Frauen. Häufigste Diagnosen waren entzündliche Arthritis (15%), rheumatoide Arthritis (13%) sowie Psoriasis/Psoriasisarthritis (11%). Erfasst wurden
- Alanin-Aminotransferase (ALT)
- Aspartat-Aminotransferase (AST)
- Leukozyten
- Hämatokrit
- mittleres korpuskuläres Volumen (MCV)
- Thrombozyten
- Fibrose-4-(FIB-4-)Score (wenn möglich)
Verglichen wurden Kontrollintervalle von etwa 3 Monaten (45–135 Tage) mit solchen von etwa 6 Monaten (135–225 Tage). Um Verzerrungen zu minimieren, wurden die Gruppen per Propensity-Score-Matching angeglichen – berücksichtigt wurden dabei Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, bestehende Lebererkrankungen, Diabetes sowie Begleitmedikamente, die selbst leberschädigend wirken können.
Artikel kostenlos freischalten und weiterlesen
Erhalten Sie unbeschränkten Zugang zu exklusiven Artikeln auf Thieme Praxis. Registrieren Sie sich jetzt kostenlos mit wenigen Klicks – oder nutzen Sie Ihren bestehenden Thieme Account.