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Armut, Migration, Übergewicht

Früh auftretender Typ-2-Diabetes folgt sozialen Mustern

|von Stephanie Schikora

Immer mehr Erwachsene zwischen 20 und 45 Jahren erkranken an Typ-2-Diabetes, mit besonders ungünstiger Prognose. Doch nicht nur Übergewicht und eine familiäre Vorbelastung erhöhten das Risiko. Niedrige Bildung, Armut und eigene Migrationserfahrung verdoppeln die Wahrscheinlichkeit für einen früh auftretenden Typ-2-Diabetes als eigenständige Risikofaktoren. Besonders deutlich wird die soziale Ungleichheit bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas.

Drei Personen unterschiedlicher Ethnien in Sportkleidung stehen in einem Fitnessstudio. Eine Person misst mit einem Maßband den Taillenumfang einer anderen Person. Im Hintergrund sind große Fenster und Fitnessgeräte zu sehen.
Menschen der ersten Einwanderergeneration entwickelten häufiger einen früh auftretenden Typ-2-Diabetes. Gleichzeitig verstärkte Übergewicht den Einfluss weiterer Risikofaktoren. (© supAVADEE BUTRADEE/stock.adobe.com - Stock photo - posed by models)

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Typ-2-Diabetes gilt weiterhin als Erkrankung des höheren Lebensalters – in Deutschland liegt das mittlere Diagnosealter bei rund 61 Jahren. Doch immer häufiger erkranken auch junge Erwachsene zwischen 20 und 45 Jahren. Diese Verlaufsform (young-onset type 2 diabetes, YOT2D) ist klinisch besonders relevant: Die Betazellfunktion verschlechtert sich rasch, und mikro- wie makrovaskuläre Komplikationen treten früher und häufiger auf.

Während Adipositas und familiäre Vorbelastung als Risikofaktoren gut belegt sind, blieb die Rolle sozioökonomischer und migrationsbezogener Faktoren im europäischen Kontext weitgehend unerforscht – obwohl Migrantenpopulationen Typ-2-Diabetes häufiger und früher entwickeln als die einheimische Bevölkerung und sozioökonomische Benachteiligung sowie soziale Isolation das Diabetesrisiko nachweislich erhöhen. Ob und wie diese soziokulturellen Faktoren mit dem Adipositasstatus interagieren, war in großen Studien bislang kaum systematisch untersucht. Ein deutsches Forschungsteam ist dieser Frage nun anhand von Daten der NAKO-Gesundheitsstudie nachgegangen.

„Wir wollten wissen, ob früh auftretender Typ-2-Diabetes in Deutschland ungleich über die sozialen Gruppen verteilt ist. Entscheidend war für uns: Die Zusammenhänge mit Bildung, Einkommen und Migrationshintergrund blieben bestehen, auch nachdem wir familiäre Vorbelastung und Lebensstil berücksichtigt hatten.“

Dr. Justine Tanoey, Bremen – Wissenschaftlerin am BIPS und Erstautorin der Studie

Große Bevölkerungsstudie mit Blick auf soziale Faktoren

Für die Fall-Kontroll-Studie wurden aus der Basiserhebung der NAKO (2014–2019, rund 205.000 Teilnehmende an 18 Studienzentren) 808 Erwachsene mit YOT2D identifiziert und im Verhältnis 1:5 nach Alter, Geschlecht und Studienzentrum mit 4035 diabetesfreien Kontrollen abgeglichen. Um eine Verwechslung mit Typ-1-Diabetes zu minimieren, wurden Personen mit Diagnose vor dem 20. Lebensjahr sowie Fälle mit früher Insulinmonotherapie (Beginn innerhalb von 2 Jahren nach Diagnose) ausgeschlossen. Schwangere blieben ebenfalls ausgeschlossen.

Erfasst wurden mehrere Dimensionen des sozioökonomischen Status – darunter Bildungsniveau (nach der International Standard Classification of Education (ISCED)), Haushaltseinkommen im Verhältnis zum Bevölkerungsmedian, Erwerbsstatus, Berufsgruppe und Berufsklasse (European Socio-economic Classification; ESeC). Hinzu kamen Angaben zum Migrationshintergrund (kein Migrationshintergrund, 1. oder 2. Generation, jeweils nach Herkunftsregion unterschieden) sowie zur sozialen Einbindung.

In den statistischen Modellen wurden familiäre Diabetesbelastung, Lebensstilmerkmale und der Body-Mass-Index (BMI) berücksichtigt. Ergänzend wurden die Daten getrennt für Personen mit und ohne Übergewicht ausgewertet – als Grenzwerte dienten ein BMI von 25 kg/m² sowie der Taillenumfang nach IDF-Kriterien (IDF: International Diabetes Foundation).

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