Startseite Alle Beiträge Innere Medizin Erhöhtes CRP bei PsA-Diagnose markiert Patienten mit ungünstiger Langzeitprognose
Mehr als nur ein Entzündungsmarker

Erhöhtes CRP bei PsA-Diagnose markiert Patienten mit ungünstiger Langzeitprognose

|von Stephanie Schikora

Das C-reaktive Protein (CRP) gilt in der Psoriasis-Arthritis als unzuverlässiger Aktivitätsmarker – nur bei etwa der Hälfte aktiver Fälle ist es erhöht. Offenbar kann der Entzündungsmaker aber doch mehr als gedacht: Ein erhöhter CRP-Wert zum Diagnosezeitpunkt ist unabhängig mit Enthesitis, neuer Knochenformation an den Händen, Hypertonie und einem persistierenden Krankheitsverlauf verknüpft. Damit rückt der etablierte Laborparameter als prognostisches Werkzeug zur Risikostratifizierung bei Psoriasis-Arthritis in ein neues Licht.

Nahaufnahme eines Laborbefunds zum C-reaktiven Protein (CRP). Auf dem Dokument sind ein erhöhter Messwert von 75,5 sowie der Referenzbereich angegeben.
Ein Blutwert mit Weitblick: Erhöhte CRP-Werte bei Diagnosestellung wiesen auf ein erhöhtes Risiko für einen persistierenden Krankheitsverlauf hin. (© visuals6x / stock.adobe.com)

Die Rolle des C-reaktiven Proteins (CRP) in der Psoriasis-Arthritis (PsA) ist seit Langem Gegenstand kontroverser Diskussionen. Nur etwa die Hälfte der Patienten mit klinisch aktiver Psoriasis-Arthritis weist erhöhte CRP-Werte auf – eine Beobachtung, die den Nutzen dieses Akute-Phase-Proteins für die Verlaufskontrolle infrage stellt. Vergleichende Analysen zwischen dem Disease Activity Index for Psoriatic Arthritis (DAPSA) und seiner klinischen Variante cDAPSA (ohne CRP) zeigten weitgehend übereinstimmende Einstufungen der Krankheitsaktivität.

Gleichzeitig deuten einzelne Arbeiten darauf hin, dass CRP zum Diagnosezeitpunkt prognostische Hinweise auf strukturelle Schäden liefern könnte. Eine griechische Arbeitsgruppe um Angeliki E. Dimopoulou, Athen (Griechenland), ging dieser Frage nun in einer großen, realweltlichen Kohorte systematisch nach.

Langzeitdaten aus der rheumatologischen Versorgung

Als Datenbasis wählten die Studenautoren eine multizentrische Studie der Griechischen Rheumatologischen Gesellschaft. Von den insgesamt 923 dort eingeschlossenen PsA-Patienten lagen bei 609 vollständige CRP-Werte zum Diagnosezeitpunkt vor. Die Psoriasis-Arthritis war anhand der CASPAR-Kriterien diagnostiziert worden (CASPAR: Classification Criteria for Psoriatic Arthritis). Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 55,7 Jahre, gut die Hälfte der Teilnehmenden (55,0%) waren Frauen. Und das Follow-up betrug im Mittel über 8,3 Jahre.

Als Grenzwert für ein erhöhtes CRP galt 0,5 mg/dl. Danach hatten 132 Patienten (21,7%) bei Diagnose einen normalen CRP-Wert, während bei 477 Patienten (78,3%) das CRP erhöht war. Waren die CRP-Werte bei Studieneinschluss normal, war das bei 80,3% der Fälle auch Jahre später noch der Fall, was auf stabile, individuelle Entzündungsmuster hindeutet.

Hinweis auf einen eigenen PsA-Subtyp?

Die bei Diagnose erhöhten CRP-Werte könnten einen eigenen immunologischen PsA-Subtyp markieren – vergleichbar mit der Rolle des CRP als Risikomarker für radiologische Progression bei axialer Spondyloarthritis.

Erhoben wurden Demografie, klinische und laborchemische Charakteristika, Komorbiditäten, radiologische Befunde (Hände, Wirbelsäule, Iliosakralgelenke) sowie Langzeit-Outcomes. Letztere umfassten unter anderem den Status „anhaltende Erkrankung“ („persistent disease“), „schwer zu behandeln“ („difficult to manage“, D2M) und „therapierefraktär“ („treatment refractory“, TR) gemäß den aktuellen Empfehlungen der European Alliance of Associations for Rheumatology (EULAR).

Frühe Unterschiede mit Folgen für den Langzeitverlauf

In der univariaten Analyse zeigten sich bereits zum Diagnosezeitpunkt erste Unterschiede: Patienten mit erhöhtem CRP waren häufiger eher übergewichtig (Body-Mass-Index [BMI] >25 kg/m²) (77,1 vs. 65,1%; p = 0,014) und litten öfter an Enthesitiden (35,6 vs. 22,0%; p = 0,004). Im weiteren Krankheitsverlauf setzte sich dieses Muster fort – und wurde teils noch deutlicher. So traten Enthesitiden in der Gruppe mit initial erhöhtem CRP häufiger auf (55,1 vs. 44,9%; p = 0,045), auch Bluthochdruck (48,7 vs. 35,5%; p = 0,011) und erhöhte Harnsäurewerte (21,3 vs. 8,3%; p < 0,001) waren bei diesen Patienten häufiger.

Besonders auffällig war der Unterschied bei neuen Knochenanlagerungen in den Handröntgenaufnahmen: Sie fanden sich bei 60,1% der Patienten mit hohem CRP, aber nur bei 31,2% in der Gruppe mit normalem CRP (p < 0,0001). Lediglich bei Erosionen zeigte sich kein relevanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen.

Zum Zeitpunkt der letzten Erhebung zeigte sich bei Patienten mit initial erhöhtem CRP ein deutlich aktiveres Krankheitsbild: Mehr als die Hälfte (50,7%) wies noch eine entzündliche Aktivität auf – in der Gruppe mit normalem CRP war es nur ein Viertel (25,0%; p = 0,0001). Auch Organbeteiligungen außerhalb des Bewegungsapparats traten häufiger auf (59,7 vs. 48,5%; p = 0,022).

Ins Auge fällt vor allem auch der Unterschied beim Anteil der Patienten mit einem anhaltenden Krankheitsverlauf: 80,1 gegenüber 59,8% in der Vergleichsgruppe (p < 0,001). Ob die Erkrankung als schwer behandelbar oder therapierefraktär eingestuft wurde, unterschied sich zwischen beiden Gruppen hingegen kaum – ebenso wenig wie die eingesetzten Therapien oder die Zahl der gescheiterten Therapeutika (biologische oder zielgerichtete synthetische Basismedikamente; disease modifying drugs; b/tsDMARDs).

Risikomarker ja, Therapiemarker nein

CRP ist ein prognostischer, kein prädiktiver Biomarker – es identifiziert Risikopatienten, liefert aber keine Entscheidungshilfe für die Wahl der konkreten Therapie.

Unabhängige Risikofaktoren nach Adjustierung

Um Störfaktoren wie Alter, Geschlecht und Nachbeobachtungszeit zu bereinigen, führten die Autoren 2 multivariable Regressionsmodelle durch. Dabei bestätigte sich, dass die beobachteten Assoziationen nicht auf Konfounder zurückzuführen sind. Folgende Faktoren waren unabhängig mit einem erhöhten CRP-Wert bei Diagnose assoziiert:

  • Übergewicht (BMI >25 kg/m²): 1,7-fach erhöhtes Risiko
  • Enthesitis bei Diagnose: rund 2-fach erhöhtes Risiko
  • Bluthochdruck: etwa 2-fach erhöhtes Risiko
  • neue Knochenanlagerungen an den Händen: 2,6-fach erhöhtes Risiko
  • persistierender Krankheitsverlauf: mehr als 4-fach erhöhtes Risiko

Die Autoren interpretieren den Zusammenhang mit BMI und Hypertonie als Hinweis auf die enge Verzahnung von CRP mit kardiometabolischen Risikofaktoren und dem metabolischen Syndrom. Für die Enthesitis-Assoziation führen sie die durch Interleukin [IL]-17-vermittelte CRP-Induktion in Hepatozyten als pathophysiologische Erklärung an. Die Verbindung zwischen initialem CRP und späterer neuer Knochenformation an den kleinen Handgelenken wird in dieser Arbeit erstmals beschrieben.

Ein einzelner Biomarker reicht nicht aus

Die Erfassung des CRP zum Diagnosezeitpunkt – also vor jeder immunmodulatorischen Therapie – erlaubt eine unverfälschte Einschätzung des prognostischen Werts. Als Einzelmarker bleibt das CRP jedoch ein Allrounder ohne Tiefenschärfe – klinisch verlässliche Entscheidungen zur Risikostratifizierung werden künftig multidimensionale Biomarker-Signaturen aus Klinik, Bildgebung, Genetik und Multi-Omics erfordern…

Fazit: CRP blickt weiter als die aktuelle Entzündung

Das CRP bei PsA-Diagnose ist mehr als ein einfacher Entzündungswert. Die Daten legen nahe, dass es unterschiedliche Krankheitsverläufe widerspiegelt – mit Blick auf Enthesitis, neue Knochenanlagerungen, kardiovaskuläre Begleiterkrankungen und die Frage, ob die Erkrankung dauerhaft aktiv bleibt. Ein begleitendes Editorial unterstreicht: CRP kann helfen, Risikopatienten frühzeitig zu erkennen – es sagt aber nicht vorher, welche Therapie für wen am besten wirkt. Um solche Fragen künftig beantworten zu können, braucht es größere Folgestudien und die Kombination mehrerer Biomarker.


Die Erstellung dieser Zusammenfassung erfolgte unterstützt durch KI-basierte Prozesse, die finale redaktionelle Verantwortung liegt bei unserer Redaktion.


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