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Neue Leitplanken

Früh schützen statt spät reagieren: Der neue ADA/EASD-Konsensus verändert die Diabetestherapie

|von Stephanie Schikora

Mit ihrem Update 2026 vollziehen ADA und EASD einen Kurswechsel: Nicht mehr die Hyperglykämie steht im Mittelpunkt, sondern der Typ-2-Diabetes als komplexe Systemerkrankung mit weitreichenden Folgen für Herz, Nieren, Leber und Lebensqualität. Der Konsensus empfiehlt einen deutlich früheren Einsatz organprotektiver Therapien, erweitert das Screening auf zahlreiche Begleiterkrankungen und rückt Prävention, Gewichtsmanagement sowie den gleichberechtigten Zugang zu wirksamen Behandlungen in den Fokus.

Vier weiße Puzzleteile sind um ein rotes Puzzleteil mit der Aufschrift „CONSENSUS“ angeordnet. Die weißen Teile tragen jeweils das Wort „AGREE“. Blauer Hintergrund.
Herz, Nieren, Leber und Stoffwechsel gemeinsam im Blick: Der neue ADA/EASD-Konsensus erweitert die Typ-2-Diabetestherapie weit über die reine Glukosekontrolle hinaus. (© iQoncept / stock.adobe.com)

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Mit ihrem Update 2026 weiten die Anerican Diabetes Association (ADA) und die European Association for the Study of Diabetes (EASD) ihren Konsensus zum Management des Typ-2-Diabetes deutlich aus: Nicht mehr die Hyperglykämie, sondern das gesamte Krankheitsbild des Typ-2-Diabetes mit seinen assoziierten Langzeiterkrankungen (multiple long-term conditions, MLTCs) steht im Zentrum. Die Kernbotschaft des Konsensus lautet, dass bereits verfügbare Therapien – konsequent, früh und gleichberechtigt eingesetzt – die Prognose maßgeblich verändern können. Der Fortschritt liege damit weniger in neuen Molekülen als in der systematischen, gerechten Umsetzung des bereits Bekannten.

Vom Glukosefokus zur ganzheitlichen Diabetestherapie

Schon der Titel verzichtet auf den Begriff „Hyperglykämie“. Hintergrund ist die Einordnung des Typ-2-Diabetes als komplexe, überwiegend durch Adipositas getriebene Systemerkrankung, die beschleunigtes Altern begünstigt. Die Versorgung soll deshalb über die Glukosekontrolle hinaus kardiorenale Protektion, körperliche Funktion, Wohlbefinden sowie Gewicht und adipositasbedingte Komplikationen adressieren.

Praktisch bedeutet das: Das strukturierte Screening beginnt bei Diagnose und reicht über die klassischen mikro- und makrovaskulären Komplikationen hinaus zu

  • Herzinsuffizienz,
  • metabolischer Dysfunktion-assoziierter steatotischer Lebererkrankung (MASLD),
  • obstruktiver Schlafapnoe (OSA),
  • psychischer Gesundheit,
  • Parodontalgesundheit sowie
  • Männer- und Frauengesundheit

Erstmals wird chronische niedriggradige Inflammation als ergänzendes, potenziell modifizierbares Therapieziel benannt. Die Autoren empfehlen zudem, bei Diagnose und im Verlauf differenzialdiagnostisch an Typ-1-, monogenen oder sekundären Diabetes (etwa Hyperkortisolismus) zu denken.

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