Semaglutid, Tirzepatid & Co. stehen im Verdacht, Haarausfall zu begünstigen – ein Verdacht, den eine Target-Trial-Emulation-Analyse jetzt erneut bestätigt: Unter GLP-1-Rezeptoragonisten ist das Risiko für eine klinisch dokumentierte Alopezie signifikant höher als unter SGLT2- oder DPP-4-Inhibitoren. Betroffen ist vor allem die nicht vernarbende, meist reversible Form – ein für Beratung und Therapietreue relevanter Nebeneffekt, auch wenn das absolute Risiko gering bleibt.
GLP-1-Rezeptoragonisten erhöhen Risiko für Haarausfall bei Typ-2-Diabetes
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Glucagon-like-Peptide-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) werden immer häufiger verordnet – nicht nur bei Typ-2-Diabetes, sondern zunehmend auch zur Behandlung von Adipositas bei Menschen ohne Diabetes. In den letzten Monaten haben (Fall-)Berichte und eine Beobachtungsstudie aufhorchen lassen: Nach dem Start einer Therapie mit Semaglutid oder Tirzepatid kam es bei einigen Patienten zu Haarausfall. Auch die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) prüft dieses Signal derzeit.
| Datenquelle / Studientyp | Beobachtung | Referenz |
|---|---|---|
| FDA Adverse Event Reporting System (Pharmakovigilanz) | erhöhte Meldewahrscheinlichkeit für Alopezie unter Semaglutid und Tirzepatid; kein klares Signal für andere GLP-1-RA | Godfrey H et al. J Eur Acad Dermatol Venereol 2025 |
| Beobachtungsstudie in einer dermatologischen Klinik (n = 283) | möglicher Anstieg der Alopezie unter GLP-1-RA; rein deskriptiv, keine Adjustierung für Störfaktoren | Burke O et al. J Am Acad Dermatol 2025 |
| Fallbeschreibung / Übersicht zu dermatologischen Nebenwirkungen | Hinweise auf Haarausfall unter GLP-1-Therapie, Aufruf zu weiterer Untersuchung | Desai DD et al. Int J Dermatol 2024 |
| Fallbericht Alopecia areata unter Semaglutid | Nachwachsen der Haare nach Absetzen und dermatologischer Behandlung – Hinweis auf mögliche Reversibilität | Alzahrani WS et al. JAAD Case Rep 2025 |
Als mögliche Erklärung gilt das telogene Effluvium, eine meist vorübergehende Form des diffusen Haarausfalls. Sie kann durch rasche Gewichtsabnahme und Veränderungen im Ernährungsstatus ausgelöst werden – also durch typische Effekte einer Therapie mit GLP-1-Rezeptoragonisten. Belastbare Daten aus großen Studien fehlten bislang.
Große Kohortenstudie mit über 27.000 Patienten
Ein Team der University of Pennsylvania hat nun eine sogenannte Target-Trial-Emulation durchgeführt. Dabei werden reale Behandlungsdaten so ausgewertet, als hätte man eine randomisierte Studie durchgeführt. Grundlage waren die elektronischen Patientenakten von Penn Medicine aus den Jahren 2019 bis 2024.
Verglichen wurde das Risiko für neu auftretenden Haarausfall bei erwachsenen Patienten mit Typ-2-Diabetes, die erstmals einen GLP-1-Rezeptoragonisten, einen SGLT2-Inhibitor oder einen DPP-Inhibitor verschrieben bekommen hatten. Wer bereits unter Haarausfall litt, an Typ-1-Diabetes erkrankt war oder eine schwere Nierenerkrankung hatte, wurde nicht eingeschlossen. In den ersten Vergleich (GLP-1-Rezeptoragonisten vs. SGLT2-Inhibitoren) flossen Daten von rund 12.000 bzw. 15.000 Patienten ein, in den zweiten Vergleich (GLP-1-Rezeptoragonisten vs. DPP-Inhibitoren) jeweils knapp 12.000. Da sich die Gruppen in Alter, Geschlecht und Begleiterkrankungen unterschieden, wurde die Auswertung statistisch angepasst, um eine faire Analyse zu ermöglichen.
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