Polypharmazie im Alter ist Alltag – doch wie steht es um die Qualität der Verordnungen in Deutschland? Die NAKO-Analyse bringt jetzt Licht ins Dunkel: Eine potenziell inadäquate Medikation, aber auch Über- und Unterversorgungen sind weit verbreitet. Besonders auffällig: Mehr als die Hälfte aller Osteoporose-Betroffenen bleibt unbehandelt, während Bluthochdruck, Parkinson und Depression mit einem deutlich erhöhten Risiko für unangemessene Verordnungen einhergehen.
Jeder vierte ältere Mensch in Deutschland erhält potenziell ungeeignete Medikamente
Die Optimierung der Pharmakotherapie älterer Menschen bleibt eine zentrale Herausforderung einer alternden Gesellschaft. In den vergangenen Jahren hat sich der Fokus von der reinen Reduktion der Medikamentenzahl hin zur Verbesserung der Verordnungsqualität verschoben. Diese umfasst 3 Subdomänen:
- Übergebrauch
- Unterversorgung
- potenziell inadäquate Medikation (PIM) – also Arzneimittel mit einem ungünstigen Nutzen-Risiko-Profil im Alter
Problematisch ist dabei: Eine suboptimale Medikationsqualität ist mit funktionellen Einschränkungen, Hospitalisierungen und vorzeitiger Mortalität assoziiert. Bisherige deutsche Untersuchungen berichteten PIM-Raten zwischen 10,8 und 37,4%. Wie es mit einer Über- bzw. Unterversorgung steht, ist bislang jedoch kaum untersucht worden. Ein Forschungsteam um Miriam Degen vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg hat nun erstmals alle 3 Dimensionen systematisch in der bevölkerungsbasierten NAKO-Gesundheitsstudie erfasst.
Bevölkerungsbasierte Auswertung anhand der FORTA-Liste
Ausgewertet hat das Studienteam Daten von 54.296 Teilnehmenden im Alter zwischen 60 und 74 Jahren (medianes Alter 65 Jahre, 50,1% Frauen) aus 18 Studienzentren. Als Bewertungsinstrument diente die aktuelle Version der „Fit for The Aged“ (FORTA)-Liste, die Medikamente in die Kategorien A (unerlässlich), B (nützlich), C (fraglicher Nutzen) und D (vermeiden) einteilt.
Die Erfassung der Medikation erfolgte über persönliche Interviews. Dazu brachten die Teilnehmenden die Originalpackungen aller in den letzten 7 Tagen verwendeten Präparate mit. Berücksichtigt wurden 17 typische geriatrische Indikationen sowie ergänzend Pneumokokken- und Influenzaimpfungen. Für eine Teilstichprobe von 5575 Personen lagen vollständige Impfdaten vor
Take-Home-Message
Die FORTA-Liste eignet sich als praktikables Instrument zur Identifikation suboptimaler Medikation, ersetzt aber nicht die individuelle klinische Beurteilung und die Berücksichtigung von Patientenpräferenzen.
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