Mpox und sexuelle Übertragung: Ein Frankfurter Forschungsteam zeigt, warum Samenflüssigkeit das Infektionsrisiko deutlich erhöht. Eiweißfasern im Sperma erleichtern dem Virus das Andocken an Schleimhautzellen – ein Befund mit Konsequenzen für Prävention, Impfberatung und die Aufklärung neuer Risikogruppen in der ärztlichen Praxis.
Mpox-Übertragung: Spermien erleichtern Infektion mit dem Virus
Samenflüssigkeit als Übertragungsverstärker bei Mpox
Spermien begünstigen nach Erkenntnissen eines Frankfurter Forschungsteams eine Infektion mit Mpox. «Unsere Ergebnisse liefern eine Erklärung dafür, warum sexuelle Kontakte ein besonders hohes Übertragungsrisiko bergen», sagte die Doktorandin Emma Torbica, die die Experimente durchgeführt hat. «So kann Samenflüssigkeit die Infektion fördern, wenn sie zum Beispiel mit analen oder genitalen Schleimhäuten in Kontakt kommt, wo sich bereits Pocken gebildet haben, die noch nicht bemerkt wurden.»
Mpox wird überwiegend von Tieren auf Menschen übertragen, die neueren Varianten können aber auch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Die Krankheit verläuft laut den Wissenschaftlerinnen meist mild mit eher unspezifischen Symptomen. «Erst im weiteren Verlauf zeigen sich die typischen Pocken auf der Haut», hieß es. «Mit dem Auftreten der ersten Symptome sind die Infizierten ansteckend, es braucht zur Übertragung allerdings einen engen Körperkontakt, etwa wenn eine Mutter ihr Kind umarmt, oder durch sexuelle Kontakte.»
Eiweißfasern erleichtern das Andocken des Virus
Das Forschungsteam von der Goethe-Universität und der Universitätsmedizin Frankfurt hat untersucht, welche Faktoren eine Ausbreitung begünstigen können. Dazu infizierten die Expertinnen Bindegewebszellen und Oberhautzellen mit Mpox-Viren. «Waren die Viren zuvor mit Samenflüssigkeit vermischt worden, förderte dies die Aufnahme des Erregers in die Zellen», hieß es in der Mitteilung.
Ursache sind demnach natürlich vorkommende Eiweißbruchstücke in der Samenflüssigkeit, die Fasern bilden und dadurch dem Mpox-Virus das Andocken an menschliche Zellen erleichtern. Die Ergebnisse seien für die medizinische Praxis wichtig, sagte Studienleiterin Denisa Bojkova. Ein experimenteller Wirkstoff könnte die Strukturen stören und das Virus zusätzlich direkt hemmen. «Langfristig könnte dies neue Ansätze zur Prävention eröffnen.»
Neue Risikogruppen: Mpox auch bei heterosexuellen Kontakten
In Deutschland treten – auf vergleichsweise niedrigem Niveau – kontinuierlich neue Mpox-Fälle auf. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin hatte kürzlich mitgeteilt, dass die Krankheit Mpox zunehmend auch bei Sex zwischen Männern und Frauen übertragen wird. Dem Amt seien zuletzt einige Fälle im Umfeld von sexpositiven Veranstaltungen für heterosexuelle und queere Menschen gemeldet worden.
Eigentlich infizieren sich vor allem Männer, die Sex mit Männern haben und häufig den Sexualpartner wechseln. Die Infektionsepidemiologin Claudia Ruscher vom Lageso sagte: «Es macht uns große Sorge, dass Mpox in einen anderen Bereich von Personen vordringt, der bisher nicht betroffen schien und deshalb wenig geimpft und wenig informiert ist.»
Fazit
Für Hausärztinnen, Dermatologen, Infektiologen und Kolleginnen in STI-Sprechstunden wird die Aufklärung zu Mpox breiter: Nicht nur Männer, die Sex mit Männern haben, sondern zunehmend auch heterosexuelle Patientinnen und Patienten sollten auf Übertragungsrisiken, unspezifische Frühsymptome und die Bedeutung engen Körper- und Sexualkontakts hingewiesen werden. Patienten mit erhöhtem Expositionsrisiko sollten aktiv auf den Impfschutz und die frühzeitige Vorstellung bei verdächtigen Hautläsionen angesprochen werden.