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Weniger Nikotin, kein Mehrkonsum

Sind nikotinreduzierte Zigaretten der Weg aus der Tabakabhängigkeit?

|von Stephanie Schikora

Könnte eine drastische Reduktion des Nikotingehalts in Zigaretten das Rauchverhalten nachhaltig verändern – und damit Millionen Leben retten? Kritiker befürchten, Raucher könnten den geringeren Nikotingehalt schlicht durch mehr Zigaretten oder andere nikotinhaltige Produkte ausgleichen. Doch dies scheint tatsächlich nicht der Fall zu sein, so das Ergebnis einer aktuellen Metaanalyse. Ihr Ergebnis: Kompensatorisches Rauchen bleibt die Ausnahme, nicht die Regel.

Ausgedrückte Zigarette mit Rauch
Nikotinarme Zigaretten führen laut Metaanalyse nicht zu kompensatorischem Rauchverhalten. (© BillionPhotos.com/stock.adobe.com

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Nikotin gilt als jene Tabakkomponente, die maßgeblich für Einstieg und Aufrechterhaltung des chronischen Rauchens verantwortlich ist. Eine Absenkung des zulässigen Nikotingehalts um etwa 95 % – wie sie sogenannte very low nicotine content cigarettes (VLNCs) bieten – könnte Zigaretten weitgehend ihre suchterzeugende Wirkung verlieren.

Simulation zeigt Nutzen weit über das Rauchen hinaus

Mögliche Auswirkungen einer Nikotinreduktionsregelung in den USA [1]

  • –1,6 Millionen vorzeitige Todesfälle bis 2100
  • –8,0 Millionen Fälle einer Major Depression bis 2100
  • Rauchprävalenz < 1 % bis 2040 – bei Menschen mit und ohne Depression

Damit lassen sich auch Bedenken entkräften, wonach eine Nikotinreduktion vulnerable Gruppen wie Menschen mit affektiven Störungen benachteiligen könnte – im Gegenteil profitieren gerade sie überproportional von einer solchen Regelung.

Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat bereits im Januar 2025 einen Regelungsentwurf vorgelegt, der den Nikotingehalt in Zigaretten und anderen verbrannten Tabakprodukten auf ein minimal oder nicht mehr suchterzeugendes Niveau begrenzen soll. Modellrechnungen gehen davon aus, dass eine solche Regulierung in den USA bis 2100 bis zu 8,5 Millionen tabakassoziierte Todesfälle verhindern könnte. Ein zentraler Kritikpunkt an dem Vorhaben lautet jedoch, Raucher könnten den geringeren Nikotingehalt durch mehr Zigaretten oder intensiveres Rauchen kompensieren – ein Effekt, der historisch von den sogenannten „Light“-Zigaretten bekannt ist.

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Systematische Aufarbeitung von 17 Studien

Ein Team um Assist. Prof. Rachel L. Denlinger-Apte, Winston-Salem (North Carolina; USA), hat diese Frage in einer systematischen Übersichtsarbeit und gepoolten Metaanalyse untersucht [2]. Eingeschlossen wurden 17 randomisierte kontrollierte Studien (16 aus den USA, 1 aus Neuseeland), publiziert zwischen 2010 und 2024, mit insgesamt 5500 Jugendlichen und Erwachsenen. Die Studien mussten eine Interventionsdauer von mindestens 3 Wochen aufweisen und mindestens einen der beiden Endpunkte – Zigaretten pro Tag und/oder ausgeatmetes Kohlenmonoxid (CO) – berichten. Als Kontrollen dienten meist Zigaretten mit normalem Nikotingehalt (normal nicotine content cigarettes [NNCs]) mit 15,8 mg Nikotin/g Tabak, während die nikotinarmen Zigarettenin der Regel lediglich 0,4 mg Nikotin/g Tabak enthielten.

Für die gepoolte Metaanalyse wurden Daten von 2454 Teilnehmenden aus 7 US-Studien ausgewertet. Das mittlere Alter lag bei 41,7 Jahren, 51,5% waren Frauen, der mittlere Konsum betrug 17,0 Zigaretten pro Tag zu Studienbeginn. Ausgewertet wurden die individuellen Therapieeffekte (conditional average treatment effects, CATE) , um auch Subgruppen mit erhöhtem Kompensationsrisiko zu identifizieren. Konkret kam dabei ein Algorithmus zum Einsatz, der individuelle Effektheterogenitäten aufdeckt. So ließ sich für jede Person im Datensatz ein eigener geschätzter Behandlungseffekt berechnen und anschließend prüfen, ob bestimmte Merkmalskombinationen (etwa Alter, Geschlecht, Ausgangskonsum oder Abhängigkeitsgrad) systematisch mit einem höheren Kompensationsrisiko assoziiert waren.

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