Eine Präeklampsie endet nicht mit der Entbindung: Die Schwangerschaftskomplikation kann bleibende Nierenschäden hinterlassen und erhöht langfristig das Risiko für chronische Nierenerkrankung und Bluthochdruck. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie fordert eine strukturierte Nachsorge nach klarem Schema und macht darauf aufmerksam, dass Nierenfunktionskontrollen auch Jahre nach der Schwangerschaft Teil der medizinischen Vorgeschichte bleiben müssen.
Präeklampsie macht Nierenkontrollen auf Lebenszeit notwendig
Etwa zwei bis fünf Prozent aller Schwangeren entwickeln eine Präeklampsie. Mit der Geburt des Kindes ist die Erkrankung medizinisch nicht abgeschlossen: Die Schwangerschaftskomplikation kann bleibende Einschränkungen der Nierenfunktion hinterlassen und erhöht langfristig das Risiko für chronische Nierenerkrankung (CKD), Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) macht im Vorfeld ihrer 18. Jahrestagung auf eine strukturierte Nachsorge aufmerksam und verweist auf die geltende S2k-Leitlinie.
Nierenschäden nach Präeklampsie bleiben oft unbemerkt
Eine Präeklampsie tritt in der Regel nach der 20. Schwangerschaftswoche auf und geht mit Bluthochdruck sowie möglichen Organschäden einher – unter anderem an Nieren, Leber, Nervensystem und Blutgerinnung.
„Die Nieren können bei einer Präeklampsie bleibende Einschränkungen erleiden“, erklärt Prof. Dr. med. Sylvia Stracke, Pressesprecherin der DGfN und Leiterin Nephrologie, Dialyse und Hochdruckkrankheiten an der Universitätsmedizin Greifswald.
Erhöhte Eiweißausscheidung im Urin und eine verminderte Nierenfilterleistung gehören zu den wichtigen klinischen Zeichen der Erkrankung. Besonders tückisch: Eine beeinträchtigte Nierenfunktion kann über lange Zeit symptomlos bleiben.
Normalisierter Blutdruck bedeutet nicht unauffällige Nierenfunktion
Nach einer Gestationshypertonie oder Präeklampsie normalisiert sich der Blutdruck häufig innerhalb von sechs Wochen nach der Geburt. Viele Betroffene fühlen sich dann wieder vollständig gesund – und geben die Schwangerschaftskomplikation bei späteren Arztbesuchen häufig gar nicht mehr in der Anamnese an. „Dabei markiert eine solche Erkrankung eine Art gesundheitliche Schwachstelle, die wir dauerhaft im Blick behalten sollten„, betont Stracke. Das gilt auch für das HELLP-Syndrom, eine schwere, häufig mit Präeklampsie assoziierte Komplikation. Beide Erkrankungen sollten dauerhaft Teil der medizinischen Vorgeschichte einer Frau bleiben.
Sechs Wochen, sechs Monate, zwölf Monate, dann jährlich
Die aktuelle S2k-Leitlinie zu hypertensiven Erkrankungen in der Schwangerschaft sieht Kontrolltermine sechs Wochen, sechs Monate und zwölf Monate nach der Geburt vor – anschließend soll die Nachsorge jährlich weitergeführt werden, durch Ärztinnen und Ärzte der Frauenheilkunde, Allgemeinmedizin oder Inneren Medizin. Zur Labordiagnostik gehören neben Stoffwechselwerten ausdrücklich die Nierenfilterleistung (GFR), Kreatinin und die Eiweißausscheidung im Urin. Bei Auffälligkeiten ist eine weiterführende haus- oder fachärztliche Abklärung vorgesehen. „Dass eine Frau sich gesund fühlt, ersetzt nicht die Kontrolle“, betont Stracke.
„Denn mit einfachen Untersuchungen können wir Veränderungen erkennen, bevor größere Funktionsverluste entstehen.“
Beeinflussbare Risikofaktoren konsequent reduzieren
Neben den Kontrolluntersuchungen empfiehlt die Leitlinie eine gezielte Lebensstilberatung: Ziel-BMI unter 25, regelmäßige Bewegung, Rauchverzicht und eine gute Blutdruckkontrolle. Auch nierenschädigende Medikamente sollten vermieden werden. „Dazu gehört beispielsweise der häufige Gebrauch von NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac„, so Stracke. Die DGfN sieht nach Ende der geburtshilflichen Betreuung eine relevante Versorgungslücke: Langfristige Risiken geraten dann leicht aus dem Blick. Die Leitlinie empfiehlt daher bereits vor der Entlassung ein Abschlussgespräch über Gesundheitsrisiken und die weitere Nachsorge. „Eine Präeklampsie oder ein HELLP-Syndrom gehört zur lebenslangen Krankengeschichte einer Frau“, fasst Stracke zusammen. „Das bedeutet nicht, dass zwangsläufig eine CKD entstehen wird. Aber wir kennen ein erhöhtes Risiko und können dieses Wissen für die Prävention nutzen.“
Infokasten: 18. Jahrestagung der DGfN in Leipzig
Die 18. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie findet vom 8. bis 11. Oktober 2026 in Leipzig statt. Das Thema Schwangerschaft und Nieren ist dort prominent vertreten:
- 09.10.2026, 08:15–09:30 Uhr, Saal 2: Schwangerschaft und Niere
- 09.10.2026, 16:30–17:30 Uhr, Saal 2: Hypertonie im jungen Lebensalter
- 10.10.2026, 17:00–18:00 Uhr, Saal 5: Soll ich mich für ein Kind entscheiden (bei CKD)?
Eine Online-Pressekonferenz zum Kongress findet am 6. Oktober 2026 von 11:00 bis 12:30 Uhr statt. Anmeldung unter: https://us02web.zoom.us/webinar/register/WN_8j2E-a0VQ-u8LxRogzZp6A#/registration