Smartwatches und Wearables erkennen Vorhofflimmern mit einer Trefferquote von über 90% und bringen Patienten mit auffälligem Puls häufig erst in die Praxis. Für niedergelassene Kardiologen und Hausärzte heißt das: steigender Abklärungsbedarf per 12-Kanal- und Langzeit-EKG – und neue Chancen für die Schlaganfallprävention bei Risikogruppen.
Smartwatch und Vorhofflimmern: Wie zuverlässig Wearables Herzrhythmusstörungen erkennen
Zu schnell, zu langsam, unregelmäßig: Solche Auffälligkeiten im Puls können auf eine Herzrhythmusstörung zurückgehen. Die häufigste ist das Vorhofflimmern, das unbehandelt das Schlaganfallrisiko erhöhen kann.
Um ihm auf die Spur zu kommen, raten die Experten der Deutschen Herzstiftung, regelmäßig bei sich selbst den Puls zu messen – vor allem, wenn man über 65 Jahre alt ist und/oder Bluthochdruck hat.
Klar, dafür kann man seinen Puls am inneren Handgelenk selbst ertasten und die Schläge pro Minute zählen. Einfacher wird es mit einer Smartwatch oder einem anderen digitalen Helfer am Handgelenk oder Finger. Eine kontinuierliche Pulsmessung ist bei den Wearables Standard. Ermittelt das Gerät Auffälligkeiten, spuckt es eine Warnung aus. Drei Fragen, drei Antworten.
Pulsmessung per Infrarotlicht und 1-Kanal-EKG
Anders als bei der Selbstmessung mit Fingern «erfühlt» der digitale Helfer den Puls nicht. Stattdessen kommt Infrarotlicht zum Einsatz, das Smartwatch und Co. in die Haut senden und im Anschluss messen, wie viel davon zurückkommt. Entscheidend dafür ist, wie viel Blut sich in den feinen Gefäßen direkt unter der Haut befindet – eine Menge, die im Laufe eines Pulsschlags schwankt. Daraus errechnet das Gerät eine Pulswelle.
Zudem können Wearables ein 1-Kanal-EKG aufzeichnen, was ebenfalls Infos über den Herzrhythmus liefert. Hierzu misst das Gerät die elektrischen Impulse eines jeden Herzschlags, erklärt die Deutsche Herzstiftung. Dafür muss man mit einem Finger einen Sensor am Gerät berühren, sodass Strom fließen kann.

Vorhofflimmern erkennen: Hohe Trefferquote, klare Grenzen
Ziemlich. Beide Verfahren können Vorhofflimmern mit einer Treffsicherheit von über 90% erkennen, so die Deutsche Herzstiftung. Und sie können offenbaren, was etwa beim herkömmlichen EKG in der Arztpraxis unentdeckt bleibt. Häufig treten Rhythmusstörungen nämlich nachts, in Ruhephasen oder bei bestimmten Aktivitäten auf – also dann, wenn man nicht gerade beim Arzt sitzt, so Herzstiftungs-Experte Prof. Peter Radke.
Klar ist aber auch: Eine Herzrhythmusstörung kann nur ein Arzt diagnostizieren. Daher sollte man bei Auffälligkeiten eine Praxis aufsuchen, um sie dort mit dem Profi zu besprechen.
Die Deutsche Herzstiftung stellt außerdem klar: «Bei Schmerzen im Brustraum, die auf einen Herzinfarkt hinweisen könnten, dürfen Betroffene keine Zeit mit der Smartwatch verlieren, sondern müssen nach wie vor sofort den Notarzt über die Notrufnummer 112 alarmieren.»
Tipps für zuverlässige Messergebnisse am Handgelenk
Geprüftes Gerät wählen: Das Wearable sollte eine medizinische Zertifizierung mitbringen, raten die Experten der Deutschen Herzstiftung. Also: auf die CE-Kennzeichnung als Medizinprodukt achten.
Korrekten Sitz beachten: Fest, aber bequem lautet hier das Motto. Sitzt das Gerät zu locker, schlägt das auf die Genauigkeit der Werte. Die richtige Position ist ein Fingerbreit über dem Handgelenkknochen.
EKG in Ruhe messen: Ruhig sitzen, den Arm abstützen, nicht bewegen und auch nicht sprechen – darauf sollte man während der Messung achten, um ein möglichst genaues Bild des Herzrhythmus zu bekommen.

