Startseite Alle Beiträge Innere Medizin HbA1c-Ziele bei älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes werden häufig verfehlt oder ignoriert
Fast jeder zweite Senior potenziell übertherapiert

HbA1c-Ziele bei älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes werden häufig verfehlt oder ignoriert

|von Stephanie Schikora

Bei älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes empfiehlt die American Diabetes Association individualisierte HbA1c-Ziele je nach Gesundheitszustand. In der Praxis wird davon jedoch selten Gebrauch gemacht: Sowohl Intensivierungen bei entgleistem HbA1c als auch Deintensivierungen bei zu niedrigen Werten bleiben US-amerikanischen Registerdaten zufolge die Ausnahme. Besonders brisant: Fast die Hälfte der Patienten mit schlechtem Gesundheitszustand und unterschrittenem Zielwert erhält weiterhin Sulfonylharnstoffe oder Insulin.

Zielscheibe mit Pfeilen und Schriftzug „Diabetes"
Bei älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes werden individualisierte HbA1c-Ziele im klinischen Alltag oft verfehlt. (© Maksim Kabakou/stock.adobe.com)

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Bei älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes ist weniger oft mehr: Eine zu intensive Blutzuckerkontrolle geht bei gebrechlichen oder medizinisch komplexen Patienten mit einem erhöhten Risiko für Hypoglykämien, Stürze und Frakturen einher. Fachgesellschaften wie beispielsweise die American Diabetes Association (ADA) empfehlen deshalb, die HbA1c-Ziele konsequent am individuellen Gesundheitszustand auszurichten: <7,5% bei gutem, <8% bei intermediärem und <9% bei schlechtem Gesundheitsstatus. Doch wie konsequent wird dieser differenzierte Ansatz im klinischen Alltag umgesetzt – und wie reagieren Behandler auf Werte außerhalb des jeweiligen Zielkorridors? Diesen Fragen ist eine Arbeitsgruppe der Cleveland Clinic in einer großen retrospektiven Kohortenanalyse nachgegangen.

Knapp 90.000 Senioren mit Typ-2-Diabetes im Blick

Grundlage der Auswertung waren elektronische Patientenakten von 89.987 Personen ab 65 Jahren mit Typ-2-Diabetes und mindestens einem Antidiabetikum aus den Jahren 2019 bis 2023 (mittleres Alter 71,6 Jahre; 50,5% Männer). Nach ADA-Kriterien war der Gesundheitszustand bei 7,9% gut, bei 61,6% intermediär und bei 30,6% schlecht. Gemessen am jeweiligen Zielkorridor – definiert als 0 bis 1,5 Prozentpunkte unterhalb des ADA-Zielwerts – lag der HbA1c bei 13,8% der Patienten zu hoch, bei 37,8% im Zielbereich und bei 48,4% darunter. Bereits diese Verteilung deutet auf ein grundlegendes Problem hin: Fast jeder zweite ältere Patient war potenziell übertherapiert.

Als primäre Endpunkte definierten die Autoren Intensivierung und Deintensivierung des Therapieregimes – also beispielsweise eine Dosisänderung nichtinsulinbasierter Medikamente innerhalb von 3 Monaten vor und nach der jeweiligen HbA1c-Messung..

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