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Herzschutz mit Grenzen

Prostatakarzinom: Kardiologische Mitbetreuung senkt Cholesterin, aber nicht Herzinfarkte

|von Stephanie Schikora

Männer mit Prostatakarzinom tragen ein hohes kardiovaskuläres Risiko – besonders unter Androgendeprivationstherapie. Ob eine systematische Überweisung an Kardiologen oder Internisten dieses Risiko messbar senkt, prüfte die internationale RADICAL-PC2-Studie, deren Daten erstmals auf dem ESC 2026, dem diesmährigen jahreskongress der European Society of Cardiology präsentiert wurden. Die spezialisierte Mitbetreuung verbesserte die Cholesterinkontrolle deutlich und erhöhte die Statinverordnungen von 40 auf 63%. Auf harte kardiovaskuläre Endpunkte wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder kardiovaskulären Tod hatte die Intervention nach knapp 6 Jahren jedoch keinen signifikanten Einfluss.

Arzt in medizinischer Kleidung mit Stethoskop präsentiert eine stilisierte 3D-Darstellung von Prostata und Harnblase, umgeben von Icons zu kardiologischer und urologischer Diagnostik.
Arzt in medizinischer Kleidung mit Stethoskop präsentiert eine stilisierte 3D-Darstellung von Prostata und Harnblase, umgeben von Icons zu kardiologischer und urologischer Diagnostik.Kardiovaskuläre Risikofaktoren bei Prostatakarzinom: Eine strukturierte Mitbetreuung optimiert Lipidwerte und unterstützt die interdisziplinäre Versorgung. (© Tom/stock.adobe.com)

Kardiovaskuläre Erkrankungen zählen zu den häufigsten Todesursachen bei Männern mit Prostatakarzinom – fast ein Viertel der Todesfälle bei nicht metastasierter Erkrankung ist kardiovaskulär bedingt, mehr als durch das Karzinom selbst (17%). Auch bei metastasierter Erkrankung liegt die kardiovaskuläre Mortalität über der Allgemeinbevölkerung (standardisierte Mortalitätsratio 1,48), und Inzidenzraten für ischämische Herzerkrankungen, Schlaganfall und Herzinsuffizienz übersteigen 20 pro 1000 Personenjahre – besonders unter Androgendeprivationstherapie (ADT). Dafür gibt es 2 Hauptgründe: Viele Patienten bringen vorbestehende kardiovaskuläre Risikofaktoren mit – oft unzureichend kontrolliert. Und die ADT selbst erhöht das Risiko für Diabetes, Hypertonie und Herzerkrankungen zusätzlich.

Trotzdem sind Blutdruck, Cholesterin und Co. bei dieser Patientengruppe häufig schlecht eingestellt. Fachgesellschaften empfehlen zwar ein routinemäßiges kardiovaskuläres Risikomanagement, doch randomisierte Daten zur Wirksamkeit einer strukturierten kardiologischen Mitbetreuung fehlten bislang.

Pragmatisches Studiendesign in acht Ländern

Ob eine routinemäßige Überweisung von Patienten mit Prostatakarzinom an einen Internisten oder Kardiologen das kardiovaskuläre Outcome verbessern kann, prüfte die multinationale RADICAL-PC2-Studie [1]: Zwischen 2015 und 2025 randomisierten die Studienautoren an 55 Zentren in 8 Ländern insgesamt 2487 Männer mit Prostatakarzinom (Durchschnittsalter 68 Jahre) im Verhältnis 1:1 in eine Interventions- und eine Kontrollgruppe. Eingeschlossen wurden Patienten mit einer frischen Prostatakarzinom-Diagnose (≤12 Monate) und laufender oder geplanter ADT; ausgeschlossen waren Patienten unter bereits laufender Statintherapie mit einem systolischen Blutdruck ≤130 mmHg.

Die Interventionsgruppe erhielt eine Überweisung an einen Internisten oder Kardiologen, der 3 Maßnahmen umsetzte:

  • eine Statinverordnung unabhängig vom Cholesterinwert,
  • eine Blutdrucksenkung bei Werten >130 mmHg systolisch sowie
  • eine Beratung zu Ernährung, Bewegung und Raucherentwöhnung.

Die Kontrollgruppe wurde wie gewohnt versorgt.

Primärer Endpunkt war ein hierarchisch zusammengesetzter Outcome aus kardiovaskulärem Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz, suboptimalem Gesamtcholesterin (>155 mg/dl) und suboptimalem systolischem Blutdruck (>130 mmHg), ausgewertet über die Win-Ratio.

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