Die Therapiewahl bei akuten Kreuzschmerzen hat langfristige Folgen – das belegt eine Studie mit knapp 400.000 Betroffenen eindrücklich. Wurden von Anfang an höher dosierte Opioide eingesetzt, stieg das Risiko für eine Opioidabhängigkeit oder Überdosierung auf mehr als das Zweieinhalbfache Ganz anders war das Bild bei nichtmedikamentösen Verfahren: Sowohl Chirotherapie als auch Physiotherapie senkten es jeweils um gut 30%. Die Ergebnisse insgesamt fügen sich damit nahtlos in das, was nationale und internationale Leitlinien bereits empfehlen.
Opioide beim akuten Kreuzschmerz? Keine folgenlose Entscheidung!
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Nationale und internationale Leitlinien empfehlen übereinstimmend, akute Kreuzschmerzen (acute low back pain, aLBP) vorrangig mit nichtmedikamentösen Verfahren zu behandeln. Wird dennoch ein Medikament eingesetzt, sollten nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) die erste Wahl sein.
Die Realität sieht jedoch anders aus: Laut US-amerikanischen Versicherungsdaten erhielten Patienten mit gesetzlicher Krankenversicherung in 19% aller Konsultationen wegen akuter Rückenschmerzen eine Opioidverordnung – entgegen den Leitlinienempfehlungen. Doch wie wirkt sich diese Therapieentscheidung im späteren Verlauf aus? Wie stark beeinflusst sie das Risiko, eine Opioidabhängigkeit (opioid use disorder, OUD) zu entwickeln oder eine Überdosierung zu erleiden?
14 Therapieoptionen auf dem Prüfstand
Um diese Fragen zu beantworten, analysierte ein Forschungsteam um Dr. Lisa V. Doan, New York (New York, USA), Daten einer großen US-amerikanischen Versicherungsdatenbank der Jahre 2016 bis 2019 aus 25 US-Bundesstaaten aus. In ihre retrospektive Kohortenstudie schlossen sie insgesamt 399 500 opioidnaive Erwachsene (19–63 Jahre) mit neu diagnostiziertem akutem Rückenschmerz aus 25 Bundesstaaten ein – erfasst zwischen 2016 und 2019. Keiner der Teilnehmer hatte zuvor Opioide eingenommen, alle waren neu an akutem Rückenschmerz erkrankt und hatten innerhalb des ersten Monats nach der Diagnose eine medikamentöse oder nichtmedikamentöse Behandlung begonnen.
Das mediane Alter der Studienteilnehmer betrug 39 Jahre (IQR 30–50), knapp 60% waren Frauen. Als initiale Behandlung galt jede Therapie, die innerhalb der ersten 30 Tage nach der Diagnosestellung eingeleitet wurde. Im Anschluss wurde über einen Zeitraum von 7 bzw. 13 Monaten erfasst, ob die Betroffenen eine Opioidgebrauchsstörung entwickelten oder eine Überdosierung erlitten – dokumentiert anhand von ICD-10-Diagnosen oder der Verordnung von Methadon bzw. Buprenorphin. Insgesamt flossen 14 verschiedene Therapieformen in die Auswertung ein: auf medikamentöser Seite etwa Opioide (differenziert nach Dosis und Dauer), Gabapentinoide, NSAR, Muskelrelaxanzien und Benzodiazepine – auf nichtmedikamentöser Seite Physiotherapie, Chirotherapie und Massage.
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