Startseite Alle Beiträge Innere Medizin EPRD-Jahresbericht 2026: Knieendoprothetik erreicht Rekordwert
Mehr Eingriffe trotz weniger teilnehmender Kliniken

EPRD-Jahresbericht 2026: Knieendoprothetik erreicht Rekordwert

Rekordjahr für das Endoprothesenregister Deutschland:Mehr als 422.000 dokumentierte Knie- und Hüftimplantationen, steigende Fallzahlen trotz Strukturwandel im Kliniksektor und erstmals systematisch erfasste Patientenerfahrungen: Der Jahresbericht 2026 des Endoprothesenregisters Deutschland zeigt, wie sich die endoprothetische Versorgung verändert. Besonders auffällig sind das starke Wachstum bei Knieimplantationen, hohe Zufriedenheitswerte der Patienten und neue Erkenntnisse zur frühen Behandlung von Protheseninfektionen.

Behandschuhte Hände halten die metallischen und kunststoffbasierten Komponenten einer Kniegelenksprothese in einem Operationssaal; im Hintergrund sind weitere sterile Materialien und Instrumente zu sehen.
Rekord bei Gelenkersatz-Operationen: Besonders die Zahl der Knieimplantationen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. (© st.kolesnikov / stock.adobe.com)

Mehr als 422.000 Knie- und Hüftimplantationen meldeten Kliniken dem Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) im vergangenen Jahr. Damit nahm die Anzahl der dokumentierten Eingriffe erneut zu, trotz der aufgrund gesundheitspolitischer Reformen kontinuierlich abnehmenden Zahl datenliefernder Krankenhäuser. Auch die für Kliniken seit Anfang 2025 verpflichtende Teilnahme am Implantatregister Deutschland (IRD) beeinflusste die Datenlieferung an das EPRD nicht.

EPRD-Jahresbericht 2026 – auf einen Blick

  • Die Knieendoprothetik verzeichnet im EPRD zwischen 2022 und 2025 einen Anstieg um rund 29%– deutlich stärker als die Hüftendoprothetik mit lediglich 11 Prozent.
  • Patient-Reported Outcomes werden zum festen Bestandteil der Qualitätsmessung und ergänzen den klassischen Parameter Standzeit.
  • Infektionen verursachen 16% der Knie- und 20% der Hüft-Folgeeingriffe – frühzeitige Diagnostik ermöglicht zunehmend implantaterhaltende Revisionen.
  • Der Anteil implantaterhaltender Revisionen bei Knie-Infektionen stieg von 35% (2015) auf 57 %(2025) – ein Hinweis auf verbesserte Früherkennung.

Knieendoprothetik treibt Wachstum im EPRD

Der Zuwachs an dokumentierten Eingriffen geht vor allem auf Knieversorgungen zurück. Der Anstieg im EPRD betrug zwischen 2022 und 2025 rund 29%. Endoprothetische Eingriffe an der Hüfte nahmen im gleichen Zeitraum nur um 11% zu und gingen zwischen 2024 und 2025 sogar leicht zurück. Insgesamt wurden 201.487 Erstimplantationen am Hüftgelenk und 180.360 Erstimplantationen am Kniegelenk für das Jahr 2025 erfasst. Der Anteil männlicher Patienten bei primären Knieversorgungen steigt seit Jahren stetig an. Bei den Hüftgelenksimplantationen waren knapp 60% der Patienten Frauen.

Patientenurteil rückt stärker in den Fokus der Qualitätsmessung

Erstmals veröffentlicht das EPRD im Jahresbericht 2026 Ergebnisse von Patientenbefragungen. Sie ergänzen den Qualitätsparameter Standzeit, also der Zeitraum, in dem ein Implantat im menschlichen Körper verbleibt. Die subjektive Einschätzung der Patienten liefert einen weiteren wichtigen Indikator für die Ergebnisqualität.

Die Patienten beantworten dazu jeweils 12 Fragen mit jeweils 5 Antwortmöglichkeiten. Die Befragung findet sowohl präoperativ als auch – wenn der Patient weiter daran teilnehmen möchte – 6, 12 und 24 Monate nach der Versorgung statt. Im ersten Jahr nahmen 24 Kliniken an der Befragung teil. Demnach sind die meisten der antwortenden Patienten sind zufrieden mit ihrer Versorgung. Nahezu 70% der Patienten mit einer Hüfterstimplantation und fast 50% der Patienten mit einer Knieerstimplantation gaben sogar die Bestnote „sehr zufrieden“.

Infektionen bleiben zentrale Herausforderung

Für 2025 verzeichnete das EPRD insgesamt 18.691 Folgeeingriffe am Knie und 20.279 an der Hüfte. Einer der häufigsten Gründe dafür ist neben der Lockerung des Implantats die Infektion: Bei Knieprothesen sind 16% der Folgeeingriffe infektionsbedingt, bei Hüftprothesen liegt diese Rate mit 20% noch etwas höher.

Bemerkenswert ist dabei die Entwicklung bei infektionsbedingten Knie-Folgeeingriffen. Offenbar setzt sich der Trend fort, dass Infektionen zunehmend früh erkannt werden – früh genug, um operativ vorzugehen, ohne die knochenverankerten Komponenten wechseln zu müssen. Der Anteil dieser implantaterhaltenden Revisionen kletterte bis 2025 auf etwa 57%, 10 Jahre zuvor lag er noch bei 35%.

In der Rubrik „Genauer analysiert“ untersucht das EPRD im Jahresbericht 2026, wie der Zeitpunkt einer implantaterhaltenden Revision den Erfolg bei der Infektionsbeseitigung beeinflusst. Die allgemeinen Empfehlungen zu einer möglichst frühen implantaterhaltenden Revision bei Infektionen behalten aus EPRD-Sicht weiterhin ihre Gültigkeit – zugleich hebt das Register hervor, dass die jeweilige klinische Situation eine differenzierte Betrachtung erfordert. Um dies künftig besser abbilden und auswerten zu können, ergänzte das EPRD sein Erhebungsinstrumentarium: Seit 2025 steht den Kliniken ein optionales Modul zur Verfügung, mit dem zusätzliche Informationen zu Diagnostik und Therapie von Infektionen im Bereich einer Gelenkendoprothese erfasst werden können.


Mehr zum Thema

Jetzt kostenlos bei Thieme Praxis registrieren und profitieren

  • Exklusiver Zugang zu News-Beiträgen und Fachwissen
  • Persönlicher Newsfeed passend zu Ihren Interessen
  • Thieme Account für Single-Sign-On (SSO) in digitalen Thieme Produkten

Thieme Praxis App jetzt kostenlos installieren und nichts mehr verpassen

Im App Store laden
Logo Google Play
Bei Google Play laden
Im App Store laden
Logo Google Play
Bei Google Play laden