Nach einer Fragilitätsfraktur wird die medikamentöse Osteoporosetherapie oft verzögert oder pausiert – aus Sorge vor Heilungsstörungen. Diese Sorge scheint jedoch unbegründet; diesen Schluss lässt eine aktuelle Metaanalyse zu: Bisphosphonate beeinträchtigen demnach weder die Zeit bis zur Knochenheilung noch die Rate an Pseudarthrosen. Teriparatid könnte die Frakturheilung sogar um durchschnittlich 3 Wochen verkürzen. Die Sekundärprävention sollte daher zeitnah eingeleitet oder fortgeführt werden.
Grünes Licht für frühe Osteoporosetherapie nach Fragilitätsfrakturen
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Fragilitätsfrakturen markieren im Leben älterer Patientinnen und Patienten häufig einen Wendepunkt: Sie sind zugleich Indikator einer manifesten Osteoporose und Risikofaktor für weitere Frakturen. Besonders hüftnahe Frakturen gehen mit einer erhöhten Mortalität einher – bis zu 30% der Betroffenen versterben innerhalb des ersten Jahres nach dem Ereignis. Innerhalb der ersten 12–24 Monate nach einer Indexfraktur ist zudem die Gefahr einer erneuten Fraktur am höchsten.
Eine zeitnahe antiosteoporotische Therapie könnte diesem Risiko entgegenwirken – in der klinischen Praxis wird sie jedoch häufig verzögert eingeleitet oder pausiert. Grund ist die Sorge, dass antiresorptive Substanzen wie Bisphosphonate durch die Hemmung der Osteoklasten den für die Knochenheilung notwendigen Remodelling-Prozess stören und so eine verzögerte Heilung oder Pseudarthrose begünstigen könnten. Diese Bedenken speisen sich vor allem aus tierexperimentellen Daten und methodisch limitierten klinischen Studien.
Umfassende Evidenzsynthese aus 28 randomisierten Studien
Ein Team um Dr. Nikhil Agarwal vom Royal Infirmary of Edinburgh hat die bestehende Evidenz nun in einer systematischen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse gebündelt [1]. In ihre Analyse flossen 28 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 5085 Patienten ein. Fast 70% davon waren Frauen. Analysiert wurden Frakturen an
- Hüfte (15 Studien)
- distalem Radius (5 Studien)
- Wirbelkörpern (3 Studien)
- Schambeinästen (2 Studien)
- unterer Extremität (2 Studien)
- proximalem Humerus (1 Studien)
Untersucht wurden vor allem Bisphosphonate (11 Studien) und Teriparatid (12 Studien), ergänzt durch 3 Vergleichsstudien Teriparatid versus Bisphosphonat sowie je eine Studie zu Romosozumab und Denosumab. Kontrollgruppen erhielten Placebo oder Kalzium- und/oder Vitamin-D-Präparate. Zwölf Studien konnten in die quantitative Metaanalyse einfließen. Primäre Endpunkte waren Zeit bis zur Frakturheilung, Raten an verzögerter Heilung und Pseudarthrose sowie Komplikationen und schmerzbezogene Scores.
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