Typ-2-Diabetes ist die häufigste Ursache einer chronischen Nierenerkrankung. Doch welche Add-on-Therapie bremst die Verschlechterung der Nierenfunktion wirksamer: inkretinbasierte Therapien wie Semaglutid, Dulaglutid oder Tirzepatid oder der Mineralokortikoid-Rezeptorantagonist Finerenon? Eine internationale Real-World-Analyse liefert erstmals einen direkten Vergleich: Nach bis zu 2,5 Jahren hatte die inkretinbasierte Therapie einen leichten Vorteil, der absolute Unterschied blieb jedoch gering.
GLP-1-Therapien oder MRA – Was schützt die Niere besser bei Typ-2-Diabetes?
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Rund jeder zweite Fall eines terminalen Nierenversagens in Industrieländern ist auf Typ-2-Diabetes zurückzuführen – damit gilt die Erkrankung als häufigste Ursache einer chronischen Nierenerkrankung. Zur Behandlung empfehlen die aktuellen Leitlinien der American Diabetes Association (ADA) und der Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) neben Lebensstilveränderungen und einer guten Blutzuckereinstellung vor allem 2 Wirkstoffklassen als Basis: Hemmsoffe des Renin-Angiotensin-Altodsteron-Systems, kuirz RAAS-Inhibitoren, und SGLT2-Hemmer (SGLT2: sodium glucose linked transporter 2). Ergänzend stehen 3 weitere Therapieoptionen zur Verfügung:
- GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1: Glucagon-like Peptide-1),
- duale GLP-1/GIP-Rezeptoragonisten (GIP: Glucose-dependent Insulinotropic Polypeptide) und
- den nicht steroidaler Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten MRA) Finerenon.
Direkte Vergleichsstudien zwischen diesen Add-on-Substanzklassen fehlen bislang. Im klinischen Alltag muss jedoch häufig – etwa aus Kosten-, Komorbiditäts- oder Präferenzgründen – zwischen den verfügbaren Optionen abgewogen werden. Eine Datenlücke, die in der Praxis durchaus relevant ist.
Erstmals im direkten Vergleich: Inkretine gegen MRA
Eine Arbeitsgruppe aus Jerusalem wertete im Rahmen einer retrospektiven Kohortenstudie Daten aus dem globalen TriNetX-Netzwerk aus – einem Verbund von über 170 Gesundheitseinrichtungen weltweit. Verglichen wurden die Nieren-Outcomes von Patienten, die entweder einen GLP-1- oder GLP-1/GIP-Rezeptoragonisten (Semaglutid, Dulaglutid, Liraglutid oder Tirzepatid) neu erhalten hatten, mit jenen unter Finerenon.
Eingeschlossen wurden Erwachsene mit Typ-2-Diabetes und einer chronischen Nierenerkrankung im Stadium 3 oder 4, die ihre Therapie zwischen dem 9. Juli 2021 – dem Tag der Zulassung von Finerenon durch die Food and Drug Administration (FDA) – und dem 1. November 2025 begonnen hatten. Um die Vergleichbarkeit beider Gruppen sicherzustellen, wurden die Teilnehmenden anhand von 39 Ausgangsmerkmalen statistisch angeglichen – jeweils eine Person aus der einen Gruppe wurde einer möglichst ähnlichen Person aus der anderen Gruppe zugeordnet (1:1-Propensity-Score-Matching). Die finale Kohorte umfasste 4554 Personen: 43,3% waren Frauen, das mittlere Alter lag bei 70,7 Jahren, die mittlere geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) betrug 39,4 ml/min/1,73 m², der mittlererHbA1c-Wert 6,9% (52 mmol/mol).
Als primärer Endpunkt wurde das Erreichen eines schwerwiegenden Nierenversagens gewertet – also ein terminales Nierenversagen (ESKD), CKD-Stadium 5 oder eine Dialysepflichtigkeit. Daneben flossen mehrere sekundäre Endpunkte in die Auswertung ein: das gemeinsame Auftreten von Nierenversagen und Tod, akutes Nierenversagen sowie die Frage, wie sich die Nierenfunktion – gemessen an der eGFR – über den 2,5-jährigen Beobachtungszeitraum veränderte.
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