Mit der Markteinführung von oralem Semaglutid am 1. September 2026 erweitert sich das Therapiespektrum bei Adipositas und Typ-2-Diabetes um eine weitere Option, die allerdings auch mit einer neuen Verantwortung gepaart ist. Wichtig sind individuelle Indikation, Einbindung in Ernährungs- und Bewegungstherapie, Muskelerhalt und engmaschige Verlaufskontrolle. Solange Lifestyle-Paragraf und fehlendes DMP die Versorgung blockieren, kommt der Praxis eine zentrale Lotsenfunktion zu.
Orales Semaglutid zwischen DMP-Lücke und Lifestyle-Paragraf
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Ab dem 1. September 2026 kommt in Deutschland mit oralem Semaglutid (Rybelsus®) der erste oral verfügbare GLP-1-Rezeptoragonist zur Behandlung von Adipositas als Tablette auf den Markt – ergänzend zum bereits verfügbaren Portfolio der Abnehmspritzen (GLP-1: Glucagon-like Peptide 1). Für die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), die Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG) und den Verband der Diabetesberatungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) ist die Markteinführung ein Anlass, auf den großen Handlungsbedarf in der Versorgung Betroffener hinzuweisen. Etwa jede vierte Person in Deutschland ist stark übergewichtig.
Zugelassen ist orales Semaglutid für Erwachsene mit einem BMI ab 25 kg/m² mit bestimmten Begleit- und Folgeerkrankungen sowie ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 kg/m² ohne solche. Zunächst ist eine strukturierte Lebensstilbehandlung erforderlich, die das Gewicht senkt oder stabilisiert und Folgekomplikationen vorbeugt.
„Modernere Therapieoptionen sind verfügbar. Entscheidend ist aber, dass sie individuell und risikoadaptiert eingesetzt und in eine langfristige, strukturierte Behandlung eingebettet werden. Genau diese Strukturen fehlen derzeit noch.“
— Prof. Dr. Julia Szdendrödi, Heidelberg – Präsidentin der DDG
Forderungen an Politik und Versorgung
§ 34 SGB V muss so angepasst werden, dass leitliniengerechte medikamentöse Adipositastherapien bei klarer Indikation von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden können.
Die vertraglichen Voraussetzungen zwischen KVen und Krankenkassen müssen zügig geschaffen werden, damit das beschlossene DMP in allen Bundesländern startet.
Ernährung, Bewegung und Risiken für Muskelverlust müssen von Therapiebeginn an berücksichtigt werden – besonders bei älteren Menschen und Personen mit eingeschränkter Muskelkraft.
Ernährung mit ausreichend Eiweiß und Nährstoffen sowie gezieltes Krafttraining sollten fester Bestandteil der Therapie sein.
Diabetes- und Adipositasberatende sollten strukturell in die Therapiebegleitung eingebunden werden – von der Erstverordnung bis zur Langzeitkontrolle.
Die Maßnahmen der Nationalen Diabetesstrategie – von der Nährwertkennzeichnung bis zu Bewegungsangeboten in Bildungseinrichtungen – müssen konsequent umgesetzt werden.
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