Bei neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes mit begleitender Adipositas scheint ein gezielt ballaststoffreicher, mikrobiomorientierter Ernährungsansatz – zumindest kurzfristig – mehr zu leisten als die klassische Metformin-Monotherapie. In einer randomisierten 84-Tage-Studie sanken nicht nur HbA1c und BMI auch die Blutzuckerstabilität, die Laborwerte und die Zusammensetzung des Darmmikrobioms besserten sich. Doch auch wenn die Ergebnisse das therapeutische Potenzial einer frühzeitigen mikrobiombasierten Ernährungstherapie unterstreichen, ist zu große Euphorie fehl am Platz-
„Diabesity“ im Griff? Ballaststoffreiche Ernährung punktet stärker als Metformin
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Adipositas und Typ-2-Diabetes treten so häufig gemeinsam auf, dass der ein oder andere Experte im Fachjagon auch schon mal beschreibend von „Diabesity“ spricht. Beide Erkrankungen verstärken sich gegenseitig und erhöhen das Risiko für Herzerkrankungen, bestimmte Krebsarten und eine verkürzte Lebenserwartung erheblich. Wer beides hat, steht vor einer doppelten Herausforderung: Der Blutzucker soll besser werden – und gleichzeitig das Gewicht sinken. In der Praxis lässt sich das oft schwerer umsetzen, als es klingt.
Einen wichtigen Einfluss hat dabei das Darmmikrobiom. Gerät dessen Gleichgewicht aus dem Takt, wird das mit Insulinresistenz und stiller, chronischer Entzündung in Verbindung gebracht. Bestimmte Stoffwechselprodukte dieser Darmbakterien – sogenannte kurzkettige Fettsäuren (short-chain fatty acids; SCFA), die beim Abbau von Ballaststoffen entstehen – können einer solchen Dysbiose entgegenwirken: Sie verbessern die Insulinsensitivität und dämpfen Entzündungsprozesse im Körper.
Ballaststoffe gegen Metformin: Das Duell um Blutzucker und Gewicht
Ein chinesisches Forschungsteam untersuchte am Henan Provincial People’s Hospital in einer offenen, randomisierten Studie, ob eine ballaststoffreiche Ernährung bei neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes besser abschneidet als das bewährte Standardmedikament Metformin. Teilnehmen konnten Erwachsene zwischen 18 und 70 Jahren, deren HbA1c-Wert zwischen 6,5 und unter 9,0% lag und deren Body-Mass-Index (BMI) mindestens 24 kg/m² betrug – insgesamt 48 Personen. Bevor die eigentliche Studie begann, durchliefen alle Teilnehmenden eine 2-wöchige Wash-out-Phase, in der keine blutzuckersenkenden Medikamente eingenommen wurden. Anschließend wurden sie per Zufall einer von Gruppen zugeteilt und 84 Tage lang beobachtet:
- W-Gruppe (n = 36): ballaststoffreiche Ernährung mit persönlicher Ernährungsberatung und speziell zusammengestellten Ballaststoffprodukten – darunter Vollkorn, Hafer, Gerste, resistente Stärke, Inulin sowie Frukto- und Xylo-Oligosaccharide
- M-Gruppe (n = 12): Behandlung ausschließlich mit Metformin
Am Ende der 84 Tage standen 2 Fragen im Mittelpunkt: Wie hatte sich der HbA1c-Wert verändert – und wie der BMI?
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