Nikotinhaltige Vapes führen doppelt so häufig zum Rauchstopp wie klassische Nikotinersatztherapien: Eine Cochrane-Übersichtsarbeit mit fast 30.000 Teilnehmern weist Abstinenzraten von 8–10% nach. Fachleute mahnen dennoch zur Vorsicht, denn Abhängigkeit und langfristige Gesundheitsrisiken durch den Vape-Konsum bleiben bestehen.
E-Zigaretten schlagen Nikotinpflaster in der Rauchentwöhnung
Die Raucherentwöhnung mit nikotinhaltigen E-Zigaretten weist einer großen Studie zufolge eine höhere Erfolgsquote auf als andere Methoden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Übersichtsstudie des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane [1]. Allerdings gelten E-Zigaretten, auch Vapes genannt, der Gesundheitswissenschaftlerin Ute Mons zufolge nicht unbedingt als harmlos.
Vape als Zwischenschritt zur vollständigen Nikotinfreiheit
Für die Übersichtsstudie zur Raucherentwöhnung nutzte die Grupe um Ass. Prof. Jamie Hartmann-Boyce von der University of Massachusetts in Amherst (USA) Ergebnisse von 80 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 29.861 Teilnehmern. In ihrer Gesamtheit ergaben die Studien, dass die Raucherentwöhnung mit nikotinhaltigen E-Zigaretten in 8–10% der Fälle zum Erfolg führt. Im Vergleich dazu sind es nur rund 6% bei nikotinfreien E-Zigaretten sowie bei Nikotinersatztherapien, bei denen den Patienten durch Pflaster, Kaugummis, Pastillen oder Sprays Nikotin zugeführt wird. Ohne Unterstützung oder lediglich mit verhaltenstherapeutischer Hilfe schafften nur 5% den Entzug.
«Es gibt starke Belege dafür, dass regulierte nikotinhaltige E-Zigaretten wesentlich weniger schädlich sind als das Rauchen», sagte Hartmann-Boyce. Dies gelte jedoch nicht für illegale Vapes. Wenn sich andere Hilfsmittel zur Raucherentwöhnung als erfolglos erwiesen hätten, könne eine Alternative wie die E-Zigarette eine Überlegung wert sein, meint Hartmann-Boyce. Sie sieht den Umstieg auf E-Zigaretten als Zwischenschritt zum vollständigen Verzicht an. «Wir arbeiten derzeit an einer Übersichtsarbeit zu Maßnahmen, die beim Ausstieg aus dem Vapen helfen sollen», berichtet die Forscherin.
Langzeitrisiken bleiben offen – Verhaltenstherapie weiter Goldstandard
Das Team fand keine Hinweise auf kurzfristige schwerwiegende Schäden durch nikotinhaltige E-Zigaretten. Allerdings seien längere und umfassendere Studien zur Bewertung der langfristigen Auswirkungen nötig. Es sei wichtig, dass verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung stünden, um Rauchern beim Aufhören zu helfen, sagte Erstautorin Ass. Prof. Nicola Lindson von der Universität Oxford.
«Nikotin-Vapes sind zwar wahrscheinlich nicht völlig risikofrei, aber weniger schädlich als Tabakzigaretten.»
— Ass. Prof. Nicola Lindson, Oxford (UK)
Verhaltenstherapie bleibt der Goldstandard
Prof. Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg gibt ebenfalls zu bedenken, dass die Studie keine langfristigen Aussagen zur relativen Sicherheit von E-Zigaretten in der Tabakentwöhnung gebe. «Beim Umstieg von Tabakzigaretten auf E-Zigaretten handelt es sich zwar um einen Rauchstopp, aber die Abhängigkeit und langfristige Gesundheitsrisiken durch den E-Zigaretten-Gebrauch bleiben bestehen», betont Mons. Die medizinischen Leitlinien zur Tabakentwöhnung in Deutschland sehen eine Verhaltenstherapie vor, meist als Gruppentherapie und oft kombiniert mit Nikotinersatzprodukten. «Diese Methode gilt weiterhin als der Goldstandard der Tabakentwöhnung», sagt Mons.