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Frauengesundheit: Warum geschlechtersensible Medizin jetzt Priorität bekommt

|von dpa

Symptome bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden bei Frauen häufig übersehen, weil diagnostische Standards auf männlichen Referenzwerten beruhen. Auf der Gesundheitsministerkonferenz in Hannover fordern die Länder eine geschlechtersensible Ausrichtung von Forschung, Versorgung und ärztlicher Weiterbildung.

Roter herzförmiger Luftballon liegt auf nassem Asphalt im Regen
Frauengesundheit im Fokus: Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigen Frauen oft andere Symptome als Männer – die Gesundheitsministerkonferenz fordert eine geschlechtersensible Versorgung. (© Peter Steffen/dpa-tmn)

Geschlechtersensible Medizin: Frauen in Forschung und Versorgung unterrepräsentiert

Wie kann die medizinische Versorgung von Frauen verbessert werden? Das ist ein Thema der Gesundheitsministerkonferenz, die an diesem Mittwoch in Hannover beginnt. Hintergrund ist, dass Frauen bei Krankheiten teils andere, weniger bekannte Symptome als Männer zeigen. Auch Medikamente wirken mitunter anders.

Bremens Senatorin für Gesundheit und Frauen, Claudia Bernhard (Linke), verweist darauf, dass diagnostische und therapeutische Verfahren meist auf männlichen Referenzwerten basieren, weil Frauen in der Forschung seltener berücksichtigt würden als Männer.

«Das führt dazu, dass Symptome bei Frauen übersehen oder falsch interpretiert werden und eine adäquate Behandlung dann eventuell spät einsetzt», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Diagnostische Lücke zwischen den Geschlechtern

Unterschiede zeigen sich demnach besonders deutlich bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bremen fordert deshalb gemeinsam mit anderen Bundesländern, die Herz-Kreislauf-Gesundheit von Frauen stärker im Bereich der Forschung und Versorgung zu berücksichtigen. Ein Ziel ist, die Besonderheiten bei Frauen – etwa abweichende Symptome und Verläufe von Herz-Kreislauf-Erkrankungen – bekannter zu machen.

«Man kann es nicht oft genug sagen – es herrscht immer noch ein Ungleichgewicht in der Diagnostik und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zwischen den Geschlechtern», so die Senatorin. «Ich erwarte durch einen gemeinsamen Beschluss Beachtung der Thematik im Bereich der medizinischen Versorgung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen», sagte sie mit Blick auf die Konferenz.

Aus- und Weiterbildung soll geschlechtersensibel werden

Die Gesundheitsministerinnen, -minister und -senatorinnen setzen sich demnach dafür ein, dass Erkenntnisse über die besonderen Symptome und Verläufe bei Frauen in die Aus-, Fort- und Weiterbildung des medizinischen Personals aufgenommen werden. «Sie unterstützen zudem die geschlechtersensible Ausrichtung von Forschung, Vorsorge und Behandlung», berichtete Bernhard.

Für die Zukunft zeigt sich die Senatorin zuversichtlich. «Es ist zu erwarten, dass sich die Versorgungssituation in den kommenden Jahren schrittweise verbessert.» Aber: «Eine umfassende Gleichberechtigung wird erst dann erreicht sein, wenn geschlechterspezifische Unterschiede systematisch in allen Bereichen der Gesundheitsversorgung und Forschung berücksichtigt und umgesetzt werden.»

Fazit

Geschlechtersensible Medizin ist mehr als ein politisches Schlagwort: Solange diagnostische Standards und Therapieempfehlungen vorwiegend auf männlichen Referenzdaten beruhen, bleiben Frauen – besonders bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen – versorgungsseitig benachteiligt. Für die Praxis bedeutet das, abweichende Symptommuster aktiv mitzudenken und Fortbildungsangebote zu Gendermedizin gezielt zu nutzen.


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