Es klingt ja schon fast zu blöd, um wahr zu sein. Oder, um es mit Vince Ebert zu sagen (dieser Physiker-Komiker, Sie wissen schon) Wot se fack, Deutschland. Krankschreibung ab Tag eins – Blacky Merz ist da gnadenlos – und nicht nur die AU muss ab Tag 1 vorliegen, sondern die telefonische Krankschreibung soll auch gleich weg.
Oh Krankenschein, mein Krankenschein, wo bist du nur geblieben?
Na herzlichen Glückwunsch für alle Magen-Darm-Patienten, die ihre Keime dann mit allen anderen Wartezimmernden teilen dürfen. Oder Grippe-Kranken, die sich trotz des Gefühls, vom Bus überfahren worden zu sein, im Zweifel in selbigen setzen müssen, um zum Hausarzt ihres Vertrauens zu gelangen. Aber aber, „Sie müssen nicht am ersten Tag in die Praxis“– so Friedrich gegenüber der Presse. Erinnert mich ein wenig an Habecks legendäre Aussage bei Maybritt Illner, dass man als Bäckerei zwar aufhören könnte zu produzieren, aber deswegen noch lange nicht insolvent sei. Wenn man sich aber also nicht zum Arzt schleppen muss, gleichzeitig nicht mehr die erlösende Bescheinigung per Telefon bekommt – wie kommt man dann zur AU? Selber basteln? Nix da, die Strafen für das unrichtige Ausstellen einer AU sollen nämlich auch erhöht werden.
Die Wirtschaft widerspricht (und nicht nur die)
Dass Sommerlöcher gerne mit absurden Geschichten gefüllt werden, kennt man ja inzwischen. Ich hatte ja auf die Alienstorys aus Murrica gesetzt, die dann irgendwie auch die Existenz von Jesus erklären sollen. Aber ich schweife ab.
Natürlich trifft den Kanzler unseres Vertrauensvotums die volle Kritikerbreite. Nicht nur aus Koalitions- und verhasster Oppositionsriege, auch Wirtschaft und Krankenkassen läuten die Alarmglocken. Der Ökonom Daniel Graeber vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sagt nicht nur, dass die Keimparty im Wartebereich voraussichtlich zu einem noch höheren Krankenstand führen wird. Sondern auch, dass Langzeiterkrankungen und psychische Erkrankungen das größte Stück der Fehltage-Torte ausmachen. Und da sei mit der Krankschreibung ab Tag eins dem fetten Kohl nicht viel abzugewinnen.
Die gebeutelten Versicherten
Und die armen gesetzlich Versicherten, zu denen ich mich auch zählen darf, weil mich im Verlagswesen einfach niemand verbeamten will, sind nicht erst seit Merz‘ Absichtsverkündung gefrustet. Immerhin steigen die Beitragszahlungen munter weiter, gleichzeitig sinkt die Zufriedenheit. Kann ich verstehen, ich persönlich warte bis nächstes Jahr, weil ich in einer nicht näher benannten Facharztpraxis erst dann einen Termin bekommen habe. In der Zeit könnte ich mich ja auch einfach selber…. Ich mein, im Mittelalter hat man doch auch mit heißen Tüchern und über Flammen erhitzten Schwertern gearbeitet. I digress again. Zurück zur Zufriedenheit, oder dem Gegenteil davon: Mehr als die Hälfte der Befragten einer McKinsey-Umfrage sind mit der Gesundheitspolitik unzufrieden, über ein Drittel sind mit der medizinischen Versorgung alles andere als zufrieden. Ich war zwar nicht Teil der Umfrage, aber ein Prozentchen steuere ich gerne bei.
Also quo vadis, Friede? Wollmer noch ne Woche streiten, bis Klingbeil die Lösung der SPD vorstellen darf? Ich klinke mich einfach so lange aus der Diskussion aus, bis was besseres kommt. Vielleicht ja doch die Aliengeschichte. Trump lässt immerhin seit einem halben Tag auf den nächsten Aufreger warten.